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Die Collage zeigt ein Pop-up-Spiel der Mysterious Package Company und die beiden Boxen der neuen Titel aus der Doomensions-Reihe.

„Doomensions“ ist zurück: So entsteht das Spiel der Mysterious Package Company

Im Jahr 2022 startete die Mysterious Package Company mit „Doomensions“ eine neue Ära der Rätselspiele: Ein Pop-up-Haus voller Geheimnisse, Rätsel und verrückter Mechaniken aus Papier. Bei Kickstarter sind nun „Crimson Castle“ und „Cursed Tomb“ an den Start gegangen, zwei neue Abenteuer von den kreativen Köpfen des kanadischen Unternehmens. Ich habe bei der Mysterious Package Company nachgefragt, wie die Spiele entstehen – und von Kreativdirektor Mike Smith Antworten bekommen. [READ THIS ARTICLE IN ENGLISH]


Wenn es ein Unternehmen gibt, zu dessen Spielen ich ein ganz besonderes Verhältnis habe, dann ist es die Mysterious Package Company. Bei dieser Firma aus Kanada begann während der Corona-Pandemie meine Reise in die Welt der englischsprachigen Rätselspiele – mit dem Spiel „The Buried Puppet“, das ich lustigerweise bis heute nicht gespielt habe. Aber: Allein die Art und Weise, wie sich dieses Abenteuer nach dem Öffnen präsentierte, löste bei mir den Wunsch aus, noch mehr Titel aus dem englischsprachigen Raum zu besitzen. Noch mehr besondere Rätselspiele mit tollen Requisiten zu entdecken – und immer und immer wieder davon überrascht zu werden, was mich in den Boxen erwartet.

Requisiten aus dem Spiel „The Buried Puppet“ der Mysterious Package Company liegen auf einem Tisch.
Das Spiel „The Buried Puppet“ von der Mysterious Package Company war das erste in meiner Sammlung – diese Box entfachte meine Leidenschaft für englischsprachige Rätselspiele.

Die Mysterious Package Company (MPC), gegründet schon im Jahr 2013, hat mich nach dieser ersten Begegnung in den vergangenen Jahren immer wieder begleitet. Zunächst sammelte ich die sogenannten „Crates“ – Holzkisten voller geheimnisvoller Dokumente und täuschend echt wirkender Artefakte, mit denen Geschichten erzählt werden, manchmal auch durch Rätsel.

Später genoss ich jedes einzelne Spiel des „Curious Correspondence Club“ – das Unternehmen wurde 2020 von Mitarbeitern der MPC gegründet. In einer Serie aus 24 zusammenhängenden Rätsel-Abenteuern brachten die kreativen Köpfe Papier an seine Grenzen: Das Material in den dünnen Umschlägen verwandelt sich in jedem einzelnen Teil in Rätsel-Maschinen mit Mechaniken, die ihr so garantiert noch nirgendwo gesehen habt.

„Doomensions: Mystery Manor“ entstand im Jahr 2022

Seit 2022 machen die Mysterious Package Company und der Curious Correspondence Club nun wieder gemeinsame Sache. Die Zusammenarbeit hat der Spiele-Welt unter anderem „Doomensions: Mystery Manor“ geschenkt, ein irres Pop-up-Spiel, bei dem sich auf dem Tisch ein großes und unfassbar toll gestaltetes Geisterhaus entfaltet. Mithilfe der unterschiedlichsten und einfach wahnsinnig genial gemachten Gegenstände und Unterlagen rätselt man sich durch das Haus.

Die Welt der umfangreichen Storys und das realistische Design der Mysterious Package Company paart sich hier mit dem Papier-Erfindergeist des Curious Correspondence Club. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie sehr ich aus dem Häuschen war, dass die Serie mit „Crimson Castle“ und „Cursed Tomb“ nun fortgesetzt wird. Aktuell wird das Projekt per Kickstarter finanziert – und es war mir eine riesige Ehre, der MPC ein paar Fragen zum Spiel stellen zu dürfen.

Die Box zu „Doomensions: Mystery Manor“ steht neben dem eigentlichen Spiel auf einem Tisch.
Das Spiel „Mystery Manor“ war das erste der Doomensions-Reihe und feierte massive Erfolge. Deshalb wird die Serie nun fortgesetzt. (Foto: Mysterious Package Company)

Während die Rückkehr von Doomensions für mich eine Überraschung war, waren die beiden neuen Spiele bereits länger in Planung, verrät Mike Smith, Kreativdirektor der Mysterious Package Company. „Als wir das ursprüngliche ‚Doomensions: Pop-Up Mystery Manor‘ entwickelten, wussten wir, dass das Format das Potenzial für mehr als ein einzelnes Spiel hatte“, sagt er. Vor allem die Reaktionen der Spieler auf das neue Projekt habe das Team überzeugt. „Die Leute fanden es toll, dass die Umgebung nicht einfach nur eine Kulisse oder ein dekoratives Element war. Sie untersuchten sie tatsächlich mit den Händen, drehten sie herum, schauten durch Fenster, entdeckten versteckte Dinge in den Räumen und verstanden nach und nach, wie das gesamte Bauwerk funktionierte.“

So entstand die Idee für „Crimson Castle“ und „Cursed Tomb“

Also dachte man darüber nach, welche anderen Schauplätze sich gut eignen würden, um sie zu erkunden – und nach und nach entstanden die Ideen für „Cursed Tomb“ und „Crimson Castle“. Eine alte Grabstätte und eine Burg werden zu den Orten des Geschehens in den neuen „Doomensions“-Teilen. „Crimson Castle“ erzählt eine Vampirstory in einem verfallenen Schloss. „Ihr erforscht die Geschichte des Ortes, seiner Bewohner und einer ziemlich unerfreulichen Reihe von Ereignissen, die mit der zentralen Figur des Ganzen zusammenhängen“, sagt Mike Smith.

Die Collage zeigt die beiden neuen Titel „Crimson Castle“ und „Cursed Tomb“ aus der Doomensions-Reihe der Mysterious Package Company.
Die beiden neuen Titel „Crimson Castle“ und „Cursed Tomb“ aus der Doomensions-Reihe der Mysterious Package Company sollen im September 2027 ausgeliefert werden. (Foto: Mysterious Package Company)

„Es gibt Gruften, Kapellen, Friedhöfe, Geheimgänge und alles, was man sich von einem guten Vampirschloss wünschen würde.“ Dagegen ist „Cursed Tomb“ die Geschichte einer ägyptischen Grabstätte, in der laut Smith aber einiges schiefgelaufen ist. „Ihr setzt zusammen, was das Team entdeckt hat, erkundet die Grabstätte, deutet Symbole und Artefakte und legt nach und nach etwas frei, das vielleicht besser begraben geblieben wäre.“

Das Faszinierendste an den Spielen dürfte die Pop-up-Mechanik werden. Dieses Mal soll es noch mehr Interaktion mit Bauwerken geben als beim Vorgänger „Mystery Manor“. „Es gibt Gegenstände, die ihr bewegen oder verändern müsst“, sagt Smith. Außerdem soll es viele Rätsel im aufgeklappten Bauwerk und im beiliegenden Dossier geben – und Aufgaben, die beides verbinden. Dazu kommen natürlich „einige Überraschungen, die wir nicht vorwegnehmen möchten“.

Neben der Spielzeit von bis zu 12 Stunden pro Abenteuer sticht außerdem die Tatsache hervor, dass keine Internetverbindung benötigt wird. „Eines der Dinge, die wir an Doomensions lieben, ist, dass man alles auf einem Tisch ausbreiten und für einen Abend in diese Welt eintauchen kann, ohne dass eine App das Spielerlebnis bestimmt“, sagt der Kreativdirektor. Wie viel Zeit jeder investiert, ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. „Manche haben ‚Mystery Manor‘ in einer einzigen achtstündigen Sitzung durchgespielt, andere haben es auf fünf einzelne Spielrunden verteilt.“

Zwei Hände untersuchen das Pop-up-Spiel „Mystery Manor“ aus der Doomensions-Reihe der Mysterious Package Company.
In den Pop-up-Spielen aus der Doomensions-Reihe müssen die Spieler nicht nur mit einer Reihe von Dokumenten, sondern auch mit dem aufgeklappten Gebäude interagieren und ihm seine Geheimnisse entlocken. (Foto: Mysterious Package Company)

So werden die „Doomensions“-Spiele entwickelt

Viel Zeit haben auch die Macher investiert – denn wer das „Mystery Manor“ einmal aufgeklappt hat, der versteht sofort, wie viel Hirnschmalz hier eingeflossen sein muss. Es verwundert nicht, dass die Entwicklung eine ganze Weile gedauert hat. Nach der ersten Idee für den passenden Ort wurden im Fall von „Doomensions“ Story, Rätsel und Mechaniken entwickelt. Und das parallel!

Denn einfach nur ein Bauwerk entwerfen und dann Rätsel einbauen – das geht bei diesem Konzept nicht. „Eine Wand, ein Türrahmen, eine Treppe oder ein Möbelstück kann später Teil eines Mechanismus werden. Deshalb müssen Architektur und Spielmechanik gemeinsam wachsen“, sagt der Kreativdirektor.

Getestet wird alles mithilfe von Prototypen. „Wir erstellen äußerst grobe Versionen, finden heraus, welche Ideen funktionieren und welche überhaupt nicht, verändern Rätsel, bauen Teile der Umgebung neu, testen wieder und nähern uns allmählich etwas an, das dem fertigen Spiel ähnelt“, sagt Smith. „Sobald die Rätselstruktur funktioniert, widmen wir uns den Illustrationen, dem Grafikdesign, der sprachlichen Überarbeitung und der Ausarbeitung für die Produktion.“

Und natürlich wird alles ausführlich getestet – auch mit Blick auf die Herstellung. „Etwas kann in einem handgefertigten Prototyp eine wunderbare Idee sein und sich als völlig unpraktisch erweisen, sobald man Tausende Exemplare davon produzieren muss.“ Ein Prototyp, in dem Tage oder Wochen an Arbeit stecken, kann sehr präzise funktionieren. Das Spiel muss das aber auch tun, wenn es in der Fabrik vom Band läuft.

Pop-up-Spiele wie „Doomensions“ sind eine Herausforderung

Bei einem solchen Pop-up-Spiel reagiert das ganze System außerdem sehr empfindlich auf Fehler. In einem normalen Rätselspiel könne man eine Aufgabe einfach umschreiben, wenn sie nicht funktioniert, sagt Smith. Nicht bei Doomensions. Hier hängt ein Rätsel manchmal von einer Illustration ab, „die wiederum eine bestimmte Faltung voraussetzt, die möglicherweise bereits drei andere Räume beeinflusst“.

Wenn die Lösung dann noch auf einer Drehscheibe hinterlegt und in ein Metarätsel eingebaut ist, wird das Chaos bei einer Panne perfekt. „Eine einzige Änderung kann eine Kettenreaktion im gesamten Spielerlebnis auslösen“, sagt Mike Smith. Und notiert beim schriftlichen Interview sogar dazu, dass er an dieser Stelle schwer geatmet hat. Jeder kann sich vorstellen, was das bedeutet.

Ein Spieler untersucht einen aufgeklappten Hefter aus dem Spiel „Doomensions: Mystery Manor“ von der Mysterious Package Company.
Nicht nur das aufgeklappte Gebäude steht bei den Doomensions-Spielen im Vordergrund. Das Spiel wird begleitet von vielen unglaublich schön gemachten Dokumenten und anderen Überraschungen. (Foto: Mysterious Package Company)

Noch dazu muss alles stabil genug sein, damit es per Post sicher von A nach B gelangt, oft auch über sehr weite Strecken hinweg. „Diese Bauwerke müssen vollständig zusammengebaut ankommen, den internationalen Versand überstehen, sich richtig öffnen lassen, stabil auf dem Tisch stehen und mehrere Stunden lang aushalten, dass Menschen sie mit Begeisterung untersuchen“, sagt Smith. Und all den Aufwand, der genau das möglich macht, sollen die Spieler am Ende am besten gar nicht wahrnehmen. „Im Idealfall haben sie einfach das Gefühl, einen geheimnisvollen Ort geöffnet zu haben und ihn nun zu erkunden.“

So geht es mit „Doomensions“ weiter

Wie es genau mit der Reihe weitergeht und auf welche Entdeckungstouren durch die Welt des Papiers die Mysterious Package Company die Spieler noch führt, wird sich zeigen. Man kündige Projekte ungern zu früh an, verrät Smith. Im Moment liege der Schwerpunkt auf der Produktion von „Crimson Castle“ und „Cursed Tomb“. Die Kickstarter-Kampagne läuft noch bis zum 22. Oktober, ist aber mit aktuell rund 370.000 kanadischen Dollar (rund 230.000 Euro) schon jetzt ein massiver Erfolg. Aktuell ist außerdem „Innsmouth Rising“ am Entstehen, ein neues Abenteuer in Form einer Holzbox, eine Reise zurück zu den Wurzeln der Mysterious Package Company.

Doch Fans des Unternehmens können sich freuen: „Hinter den Kulissen nehmen bei uns immer mehrere seltsame Dinge Gestalt an.“ Seltsame Dinge? Als jemand, der einiges aus der Werkstatt der Entwickler gespielt hat, kann ich sagen: Seltsam ist oft sogar noch etwas untertrieben.

Die Collage zeigt ein Pop-up-Spiel der Mysterious Package Company und die beiden Boxen der neuen Titel aus der Doomensions-Reihe.

Alle Infos zur Kampagne
von „Doomensions Returns“

Titel: „Crimson Castle“ & „Cursed Tomb“
Anbieter: Mysterious Package Company, Kanada
Format: Pop-up-Spiel mit Dokumenten
Genre: Abenteuer
Kampagnenstart: 22. September 2026
Kampagnenende: 22. Oktober 2026
Funding-Ziel: rund 40.000 kanadische Dollar
Preis für das Basisspiel: 89 CAD (rund 55 Euro) pro Titel,
160 CAD (rund 100 Euro) für beide Spiele
Auslieferung geplant: September 2027
Weitere Infos auf der Kickstarter-Seite

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