Das kleine Spiel „Mission: Rogue Protocol“ ist eines von aktuell vier Szenarien im Sortiment von Red Herring Games. Das Rätsel-Abenteuer widmet sich einem echten Klassiker in der Escape-Room-Welt: Hier müssen Rätsel gelöst werden, damit am Ende eine Bombe entschärft werden kann. Für diesen Test habe ich mir das winzige Spiel vorgenommen und verrate euch, wie „klein, aber oho“ es wirklich ist.
Es gibt Themen in der Welt der Escape Rooms und der Rätselspiele, die einfach nicht alt werden – sie haben schon von Anfang an zu den Klassikern gehört und werden das sicherlich auch für alle Ewigkeit tun. Dazu gehört definitiv das Entschärfen einer Bombe. Denn wer wollte nicht schon mal den Adrenalinrausch spüren, wenn man mit einer Zange und zitternden Händen vor einem Knäuel aus bunten Kabeln steht?
„Mission: Rogue Protocol“ von Red Herring Games bringt diesen Plot nun ein weiteres Mal auf den Spieltisch. Und das in Form einer wahrhaft winzigen Box! Das Unternehmen aus Großbritannien hat schon mehrere Abenteuer im gleichen Stil herausgebracht (u. a. das Rätselspiel „Homefront Heroes“) – und liefert nun ein weiteres Mal Puzzlespaß im Kleinformat. Lest hier, ob ich die Bombe entschärfen konnte.
Story: Das Schicksal der Stadt liegt in unseren Händen
Feindliche Terroristen haben einen Wolkenkratzer mitten in der Stadt unsicher gemacht und eine Bombe hinterlassen. Menschen sind im Gebäude eingeschlossen, die Behörden sind machtlos – und die Einzigen, die in der Lage sein könnten, das Problem zu lösen, sind wir. Natürlich! Das Schicksal der Stadt liegt nun in unseren Händen: Schaffen wir es, die Rätsel im Gebäude zu lösen und den Sprengsatz unschädlich zu machen?
Das Spiel „Mission: Rogue Protocol“ zeigt schon bei der Beschreibung auf der Schachtel, dass es sich nicht allzu ernst nimmt. „Wirf dich in deinen besten Smoking (oder Schlafanzug – wir urteilen nicht), schnapp dir dein wichtigstes Gadget (einen Stift) und mach dich bereit für einen Undercover-Einsatz“, heißt es dort.

Spielmechanik: Acht Rätsel helfen beim Entschärfen der Bombe
Das Spiel dreht sich um die Bombe – einen Sprengsatz, der mit acht Kabeln verkabelt ist. Das Problem: Von allen Drähten wurden die verschiedenfarbigen Isolierungen entfernt. Mithilfe von acht unterschiedlichen Rätseln müssen wir herausfinden, welches der acht Kabel welche Farbe hat. Im anschließenden Finalrätsel geht es dann um die Frage, in welcher Reihenfolge die Kabel durchgeknipst werden müssen, um die Bombe zu entschärfen. Ist das Rätsel gelöst, kann man das Spiel beenden.
Die acht Rätsel, die zu den Farben der Drähte führen, sind auf acht Pappkarten verewigt und können in beliebiger Reihenfolge gelöst werden. Das ist sehr angenehm, denn es sind schon ein paar harte Nüsse dabei. Wenn man nicht gleich auf eine Lösung kommt, kann man die entsprechende Aufgabe weglegen und sich erst einem anderen Rätsel widmen. Die finale Lösung – die Reihenfolge der farbigen Drähte – gibt man dann auf einer Website ein, auf die man über einen QR-Code im Spiel Zugriff hat.
Zum Spiel gehört außerdem ein A4-Zettel, gestaltet wie eine Art Blueprint, der verschiedene Rätsel-Schnipsel enthält, die übergreifend dabei helfen, einzelne Aufgaben zu lösen. Auch ein (analoges!) Hinweissystem gibt es: Es ist – wie auch bei den anderen Spielen des Anbieters – ein gefaltetes Blatt Papier, auf dem Tipps und Lösungen aller Rätsel verewigt sind. Der Vorteil dieses Systems: Wer das Spiel komplett ohne Bildschirm spielen will, kann das damit tun und muss nur für die Eingabe der finalen Lösung von „Mission: Rogue Protocol“ Smartphone oder Computer nutzen. Zusätzlich steht aber auch ein digitales Hinweissystem zur Verfügung.

Material: Wenig Zubehör, aber viel Rätsel-Spaß
Das Material ist sehr hochwertig, abwechslungsreich und passend zum Setting gestaltet. Mir hat es trotz kleiner Design-Schwächen definitiv besser gefallen als „Homefront Heroes“ – man sieht, dass sich die Macher weiterentwickelt haben. Mir gefällt auch die gesamte Designidee dieser Spiele: Sie kommen mit sehr wenig Platz aus, denn die Schachtel ist winzig. Trotzdem steckt darin jede Menge Rätselmaterial. Das macht auch „Mission: Rogue Protocol“ für mich perfekt, um es etwa auf eine Bahnfahrt mitzunehmen.
Für einen kleinen Design-Fail halte ich leider die Gestaltung des Hinweiszettels. Hinweise und Lösungen werden immer direkt zusammen gedruckt, sodass es schwer möglich ist, sich nur einen Tipp anzuschauen, ohne gleich die Lösung zu sehen. Wem das zu riskant ist, der sollte lieber das digitale Hinweissystem nutzen.
Die Gestaltung des Online-Teils ist praktikabel und funktioniert – und wie schon bei „Homefront Heroes“ hat auch bei „Mission: Rogue Protocol“ das Abschluss-Video mein Herz erobert. Ich liebe es, wenn sich Spiele mit vermeintlich ernsten Missionen am Ende nicht allzu ernst nehmen. Das tut „Mission: Rogue Protocol“ nicht – und schafft am Ende einen sehr schönen Abschluss mit einem für Fans von Red Herring Games bekannten Gesicht. Einfach wundervoll!
Rätsel: Extrem aufgesetzt, aber abwechslungsreich
Die Rätsel sind vielseitig, abwechslungsreich und von gemischtem Schwierigkeitsgrad. Einige offenbaren schon nach dem ersten Blick ihren Lösungsweg, andere sind wirklich knifflig und haben auch mich zum Grübeln gebracht. Allerdings sind fast alle sehr fair konstruiert und aufgrund versteckter und manchmal sehr, sehr kleiner Hinweise lösbar. Es gibt Codes zu knacken, es geht sehr viel um Buchstaben, Zahlen und Farben, es müssen unterschiedlichste Dinge miteinander kombiniert werden – und wenn es an das Entschärfen der Bombe geht, ist eine ordentliche Portion Logik gefragt.
„Mission: Rogue Protocol“ ist dabei ein echtes Puzzle Game: Die Rätsel sind extrem aufgesetzt und es wird auch gar nicht erklärt, woher sie eigentlich kommen. Von den Terroristen? Man weiß es nicht! Da ich die Spiele von Red Herring Games aber schon kenne und schätze, stört mich das an dieser Stelle nur bedingt. Im Gegenteil. Wer mal richtig rätseln will, ohne zu viel Story serviert zu bekommen, der ist hier genau an der richtigen Adresse.

Fazit: Ein perfektes Spiel, leider mit einem Bruch am Ende
„Mission: Rogue Protocol“ ist ein sehr schönes Rätselspiel, das mir besser gefallen hat als „Homefront Heroes“, das mich beschäftigt und gefordert hat und das ich vor allem Spielern empfehle, die mal richtig rätseln wollen, ohne zu viel Schnickschnack drumherum. Denn hier geht es wirklich darum, harte Nüsse zu knacken, ohne dass man von einer zu umfangreichen Story abgelenkt wird. Bei der Logik der ganzen Geschichte darf man deshalb auch nicht zu genau hinschauen – doch der wunderbare Humor zeigt an einigen Stellen, dass man das auch gar nicht muss. Natürlich lässt sich das Spiel mit XXL-Spielen wie „The Emerald Flame“ oder „Madok’s Lost Treasure“ nicht vergleichen. Aber für das, was es ist – ein von der Größe her winziges Abenteuer – bietet „Mission: Rogue Protocol“ viel Spaß!
Ein Kritikpunkt ist allerdings das Ende. Wie schon bei „Homefront Heroes“ ärgert es mich bei „Mission: Rogue Protocol“, dass die Entwickler nicht die letzte Extrameile gegangen sind. Bei „Homefront Heroes“ sollte man laut Intro am Ende eine Entscheidung zwischen Gut und Böse treffen, doch diese Option gab es im Spiel nicht.
Bei „Mission: Rogue Protocol“ wird man nun zu Beginn darauf hingewiesen, dass beim Durchknipsen der falschen Drähte alles in die Luft fliegt. Doch diese Option gibt es gar nicht: Die Schaltfläche „Bombe entschärfen“ beim Lösungsprüfer erscheint erst, wenn man die richtige Kombination eingegeben hat. Bei falschen Kombinationen taucht kein Button auf. Man KANN also nicht failen.
Die Möglichkeit, beim Entschärfen zu scheitern und das Gebäude in die Luft zu sprengen, hätte das Spiel noch etwas runder gemacht und wäre sicher nicht zu kompliziert lösbar gewesen. Und: Ich hätte dieses wenn auch schlechte Ende, gestaltet mit dem Humor der kreativen Köpfe von Red Herring Games, gern erlebt.

Ergänzende Anmerkungen: Ein neues Spiel entsteht bereits
„Mission: Rogue Protocol“ ist eines von aktuell vier Spielen dieser Art, die der Anbieter Red Herring Games auf dem Markt hat. Dazu gehören „Space System Error!“, „Sherlock Holmes And The Return To Baskerville Hall“ und „Homefront Heroes“. Zuletzt wurde das auf dem berühmten Liebesroman „Sturmhöhe“ basierende „Wuthering Flights“ per Crowdfunding finanziert – es soll bald auf den Markt kommen.
Für wen ist „Mission: Rogue Protocol“ geeignet?
- Spieler, die einfach mal rätseln wollen, ohne zu viel Schnickschnack.
- Puzzle-Fans mit Liebe zu klassischen, aber durchaus kniffligen Rätselmechaniken.
- Rätsel-Fans, die ein kleines und trotzdem umfangreiches Spiel für eine Reise brauchen.
- Alle, die auf den Escape-Room-Klassiker der Bombenentschärfung stehen.
- Nicht geeignet für Spieler, die tiefgründige Storys und umfangreiche Requisiten wollen.

Bewertung und Infos zu
„Mission: Rogue Protocol“
Titel: Mission: Rogue Protocol
Anbieter: Red Herring Games
Genre: Abenteuer
Sprache: Englisch
Spieldauer: 60 bis 120 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: 12 Pfund (rund 14 Euro)
Erhältlich bei Red Herring Games
Gesamtwertung: 4,2 von 5 Sternen
Urteil: Sehr gutes Spiel!
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