Im Jahr 2026 feiert EXIT von Kosmos zehnjähriges Jubiläum, denn 2016 erschienen die ersten drei Escape-Room-Spiele der Marke. Zu diesem Anlass ergänzt nun ein neues und besonderes Spiel die Reihe. „Der perfekte Einbruch“ kommt statt in einer Pappschachtel in einer Metallbox und enthält neben dem eigentlichen Spielmaterial diverse Mini-Geschenke an die Spieler. Wir haben mit dem Spiel den Geburtstag von EXIT gebührend gefeiert – aber dabei nicht vergessen, den neuen Titel genau unter die Lupe zu nehmen. Der große Test zu „EXIT – Das Spiel: Der perfekte Einbruch“.
Wenn wir EXIT-Fans der ersten Stunde mal ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann interessiert uns doch eigentlich nur eines: Welche Bedeutung hat es, dass „Der perfekte Einbruch“, das neueste Spiel der EXIT-Reihe, in einer Metallbox und als limitierte Sonderedition kommt? In den vergangenen zehn Jahren haben wir gelernt, dass es den kreativen Köpfen hinter den Rätselspielen immer wieder gelingt, uns zum Staunen zu bringen, mit irren Mechaniken und tollen Überraschungen. Dass nun ausgerechnet ein Spiel zum zehnjährigen Jubiläum, das sich obendrein um das Knacken eines Safes drehen soll, in einer Metallschachtel verpackt ist … es setzte die Erwartungen an „Der perfekte Einbruch“ richtig hoch. Vielleicht zu hoch, wie wir lernen mussten. Denn erst nach dem Veröffentlichen des Reviews bekamen wir eine Information, die den Blick auf das Spiel zumindest geringfügig verändert hätte. Diese findet ihr ganz unten am Artikel.
Aufgrund der hohen Erwartungen war ich bereit, dem Spiel förmlich nachzujagen. In meinem Review zum neuen Familienspiel „Der verlorene Piratenschatz“ habe ich schon angedeutet, dass es gar nicht so leicht war, an die Neuerscheinungen zu kommen. Sie sollten mal am 20. August 2026 erscheinen, dann am 31. August, dann plötzlich am 17. September. An „Der verlorene Piratenschatz“ kam ich irgendwann via Amazon, doch bei „Der perfekte Einbruch“ schien es keine Chance zu geben. Eine Bestellung bei einer großen Buchhandelskette lief ins Leere. Am 17. September 2026 wollte ich es wissen, fuhr stundenlang quer durch Berlin und klapperte die Geschäfte ab, bis ich ein Exemplar gefunden hatte. Hat sich der Aufriss gelohnt? Das haben wir noch am gleichen Abend zu dritt getestet – hier lest ihr unsere Eindrücke.
Story: Einbruch in die Villa eines Casino-Betrügers
In „Der perfekte Einbruch“ bekommen wir den Auftrag, dem Eigentümer eines großen Casinos das Handwerk zu legen. George Reed zockt seine Besucher angeblich mit manipulierten Spielgeräten ab. Wir müssen uns erst Zugang zu Reeds Villa verschaffen – und dann in den Hochsicherheits-Tresorraum des Casinos gelangen, wo die Aufzeichnungen von Reeds Machenschaften lagern sollen. Die Story von „Der perfekte Einbruch“ ist, wie bei anderen Teilen der Reihe, nicht besonders tiefgründig und dient auch eher dazu, die Rätsel miteinander zu verbinden. Zumindest ein hübscher Schlenker in die Geschichte der EXIT-Reihe ist aber verbaut.

Spielmechanik: Karten, seltsame Teile und Codescheibe
Wer die EXIT-Spiele kennt, wird auch die Spielmechanik von „Der perfekte Einbruch“ sofort durchblicken. Das Spiel dreht sich im Kern um Karten und die traditionsreiche Codescheibe. Nach einem kurzen Intro im Anleitungsheft rätseln sich die Spieler mithilfe von roten Rätsel-Karten und zusätzlichen Teilen aus Pappe durch das Spiel. Auch andere Gegenstände, die dem Spiel beiliegen (z. B. ein Würfel und eine Schnur), kommen beim Lösen der einzelnen Aufgaben zum Einsatz.
Bei jedem Rätsel kommt ein dreistelliger Code heraus, der dann in die Codescheibe eingegeben werden muss. Mithilfe der blauen Lösungs-Karten wird dann verifiziert, ob die Antwort stimmt, und wir erfahren, wo es weitergeht. Zusätzlich gibt es einen Stapel mit grünen Hinweis-Karten, über den man sich Tipps holen kann, wenn man nicht weiterkommt. Wie auch bei den anderen EXIT-Spielen funktioniert die Bedienung intuitiv, wenn man es einmal begriffen hat. Wiederholungstäter werden gar keine Probleme haben.
Material: Die größte Enttäuschung bei „Der perfekte Einbruch“
Beim Spielmaterial kommen wir bei „Der perfekte Einbruch“ in den Bereich, der bei uns am Tisch für lange Gesichter gesorgt hat. Das Spielmaterial ist im besten Sinne „normal“ für ein Spiel aus der EXIT-Reihe – das Design ist praktikabel und neben den Kartenstapeln gibt es auch zahlreiche andere „seltsame Teile“ aus Pappe, Faltblätter, ein kleines Poster, einen Würfel, eine Schnur und natürlich die Drehscheibe, die EXIT-Fans bereits bestens kennen. Soweit ist das Spiel also absoluter Standard.

Doch „Der perfekte Einbruch“ will mehr bieten. Deshalb kommt das Spiel auch in einer edlen Metallbox und enthält zusätzlich eine Schere, einen Kugelschreiber, einen Bleistift, einen Radiergummi und ein Lineal. Beworben wird das als „zusätzlicher Inhalt“. Wir sind als Kenner der typischen EXIT-Überraschungen aber natürlich trotzdem davon ausgegangen, dass all diese Elemente für ein Feuerwerk an neuen Rätsel-Mechaniken sorgen werden, gerade in einer Jubiläumsbox. Wie werden uns die Macher von EXIT dieses Mal zum Staunen bringen? Wird die Metallbox zum Safe? Verbirgt sich im Kugelschreiber eine versteckte Botschaft? Und welches Geheimnis versteckt die Schere?
Um es kurz zu machen: Es handelt sich dabei um nichts anderes als eine Box aus Metall, eine Schere, einen Kugelschreiber, einen Bleistift, einen Radiergummi und ein Lineal. Ende der Geschichte. Bis auf zwei der Objekte, die in einem winzigen Bonusrätsel nach Abschluss der Hauptstory eine Rolle spielen, erfüllt nichts davon irgendeinen besonderen Zweck im Spiel. Die Gegenstände tun nur das, was sie eben tun: Mit der Schere kann man was ausschneiden, mit dem Bleistift etwas schreiben oder ausmalen. Und nicht mal das klappt richtig. Der Kugelschreiber könnte dazu dienen, Karten zu beschriften – bei uns schrieb er auf dem beschichteten Papp-Material aber nur mangelhaft.

Vor allem die Metallbox ist eine Enttäuschung: EXIT-Fans wissen, dass die Schachteln in den Spielen besonders häufig für Überraschungsmomente sorgen. Doch hier bleibt sie eine Box, die dann nicht mal richtig ins Sammler-Regal zu den anderen EXIT-Schachteln passt. Man könnte nun sagen, dass unsere Erwartungen zu hoch waren. Aber: Es handelt sich um das Spiel zum zehnjährigen Jubiläum! Da haben wir tatsächlich mit mehr Überraschungen gerechnet, wie wir sie aus der Reihe kennen und lieben, erst recht bei diesem Material. Ich habe auch schon Spiele gespielt, in denen Kugelschreiber, Bleistifte oder Dinge aus Metall vorkommen. Man hätte so viel daraus machen können – doch so bleibt „Der perfekte Einbruch“ in diesem Bereich leider ein Spiel voller verschenkter Chancen.
Rätsel: Solide Aufgaben mit zwei oder drei Highlights
Der Rätsel-Mix bei „Der perfekte Einbruch“ ist klassischer Natur und kommt sehr abwechslungsreich daher. Es gibt Zähl-Rätsel, Logik-Rätsel, Puzzles und Aufgaben, bei denen Codes entschlüsselt werden müssen. Außerdem geht es immer wieder darum, die Gegenstände im Spiel miteinander zu kombinieren und so zu nutzen, dass man damit zu einer Lösung kommt. Zumindest zwei, drei Rätsel haben uns sehr gut gefallen und boten auch neue Mechaniken, die wir bisher nicht kannten. Der größere Teil der Aufgaben passte zwar ins Setting des Spiels, bot aber keine echten Überraschungen – zumindest nicht für uns „Vielspieler“.
Wer noch nie ein EXIT-Spiel gespielt hat, kann hier ganz sicher viel Spaß haben und unterschiedliche Arten von Rätseln entdecken. Den Schwierigkeitsgrad sehe ich im unteren bis mittleren Bereich – Kosmos selbst ordnet das Spiel im Level „Fortgeschrittene“ ein, was ich nur bedingt unterschreiben würde. Denn aufgefallen ist uns auch, dass man bei vielen Rätseln schon sehr klare Anweisungen bekommt, was zu tun ist, weil auf manchen Elementen exzessiv mit Unterstreichungen gearbeitet wird. Streckenweise hat es sich deshalb eher wie „betreutes Rätseln“ angefühlt.

Fazit: „Der perfekte Einbruch“ erfüllt die Erwartungen nicht
„Der perfekte Einbruch“ ist ein klassisches EXIT-Spiel, das zwar als besondere Jubiläumsedition mit verschiedenen Extras daherkommt, die Erwartungen aber leider nicht wirklich erfüllen kann. Das eigentliche Spiel ist stabil, gehört aber definitiv nicht zu den besten der Reihe. Die zusätzlichen Features fühlen sich leider nicht sinnvoll an und sind eher eine Ergänzung, aber keine Bereicherung des eigentlichen Spiels. Man hätte darauf verzichten können. Denn ich gehe mal davon aus, dass jeder, der sich ein EXIT-Spiel ins Haus holt, auch eine Schere und einen Kugelschreiber hat.
Ich persönlich habe von den Machern der Spiele mehr Kreativität erwartet, wenn es schon die tolle Möglichkeit gibt, eine Metallbox zu gestalten und diese unterschiedlichen Gegenstände einzupacken. Hat sich der Aufriss, den ich betrieben habe, gelohnt? Als Fan von EXIT: Ja. Ich würde jedem der Spiele hinterherlaufen, weil ich die Reihe trotz kleiner Enttäuschungen klasse finde. Nüchtern betrachtet: Nein, schon gar nicht für den höheren Preis von 19,99 Euro. Denn da gibt es andere Spiele aus dem Universum, die für weniger Geld wesentlich mehr bieten.

Ergänzende Anmerkungen: Ist das Spiel mehrfach spielbar?
Wie bei allen EXIT-Spielen kann auch „Der perfekte Einbruch“ nur einmal gespielt werden. Grundsätzlich habe ich hier aber im Vergleich zu anderen Spielen der Reihe die Möglichkeit gesehen, das Spiel zu erhalten. Wird ein Element nicht wie gefordert zerrissen, verzichtet man auf das Beschriften von Karten und ersetzt die Schnur und ein normales Stück Papier, kann das Spiel „Der perfekte Einbruch“ eigentlich weitergegeben werden. Das heißt: Wenn man es erst mal geschafft hat, an ein Exemplar heranzukommen.
22. September 2026: Eine kleine Einordnung zu diesem Review
Zu diesem Artikel möchte ich im Nachgang eine kleine Ergänzung machen. Kurz nach der Veröffentlichung des Artikels haben sich – was mir eine riesengroße Ehre ist – Inka und Markus Brand bei mir gemeldet, die Erfinder der EXIT-Reihe. Von ihnen bekam ich einen wertvollen Hinweis (Danke dafür!): „Limitierte Sonderedition“ bedeutet bei dem Spiel nicht, dass es limitiert auf den Markt kommt und dann vergriffen sein wird (wie wir annahmen). Sondern: Nach der Sonderedition mit Metallschachtel und den zusätzlichen Gadgets erscheint eine ganz normale EXIT-Box aus Pappe und ohne Schere, Kugelschreiber, Bleistift und Co.
Es ist der Grund, warum keine speziellen Rätsel in die Metallbox eingebaut werden konnten und warum man nicht mehr aus den zusätzlichen Gegenständen gemacht hat – diese werden in der nachfolgenden Fassung nicht mehr da sein. Hätten wir das gewusst, wäre unsere Erwartungshaltung an das Spiel vielleicht ein kleines bisschen anders gewesen. Ich habe mit diesem Wissen noch eine Berechnung vorgenommen und landete damit bei glatten 4 von 5 Sternen. Wir würden damit also knapp im Bereich „gut“ bleiben.
Und das ist vom Gefühl her sehr passend, denn unabhängig vom neuen Wissen bleiben zwei Dinge bestehen: „Der perfekte Einbruch“ hat uns nicht so überzeugt wie andere Titel der Reihe. Und: Wir hätten beim großen Jubiläum von EXIT lieber auf Schere und Kugelschreiber verzichtet und dafür überraschendere Rätsel und neue Mechaniken erlebt. Denn DAFÜR lieben wir die Spiele von EXIT – und nicht dafür, dass sie uns mit Büromaterial versorgen, auch wenn es natürlich eine nette Geste für Fans ist.
Für wen ist „Der perfekte Einbruch“ geeignet?
- Treue Fans von Spielen der EXIT-Reihe von Kosmos.
- Allen, die auf Heist-Settings á la „Oceans 11“ stehen.
- Rätsel-Fans, die Lust auf ein klassisches Escape-Room-Abenteuer haben.
- Spieler, die keine Schere und keinen Kugelschreiber zu Hause haben.
- Nicht geeignet für: EXIT-Fans, die ein Feuerwerk an Überraschungen erwarten.

Bewertung und Infos zu
„Der perfekte Einbruch“
Titel: EXIT – Der perfekte Einbruch
Anbieter: Kosmos
Genre: Abenteuer
Sprache: Deutsch
Spieldauer: 45 bis 90 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: 19,99 Euro
Erhältlich beim Kosmos-Verlag
Gesamtwertung: 3,8 (4) von 5 Sterne
Urteil: Gutes Spiel
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