„Der verlorene Piratenschatz“ ist das neueste Spiel aus der EXIT-Reihe von Kosmos. Es gehört zur Unterkategorie der „Family“-Spiele – das sind Escape-Room-Spiele mit leichteren Rätseln, die sowohl Erwachsene als auch Kinder begeistern sollen. Das Spiel ist das erste alleinstehende dieser Art – die bisherigen „Family“-Fälle erschienen immer im Doppelpack. Wir haben uns auf das Piratenschiff gewagt und das Spiel getestet.
Hurra, endlich gibt es Nachschub aus der EXIT-Reihe! Ein Jahr ist es her, dass mit „Die letzte Vorstellung“ das letzte reguläre Escape-Room-Spiel der beliebten Marke erschien. Im August sollte nun der Jubiläums-Titel „Der perfekte Einbruch“ kommen – doch hier scheint die kniffligste Aufgabe zu sein, überhaupt an das Spiel zu kommen. Erscheinen sollte es am 20. August 2026, dann wurde der Release auf den 31. August 2026 verschoben. Ich habe es beim Spiele-Dealer meines Vertrauens vorbestellt, doch die Lieferung hat bis heute nicht geklappt. Auf mehreren Webseiten ist inzwischen schon vom 17. September 2026 als Erscheinungstag die Rede. Ganz schön aufregend! Man könnte vielleicht ein Escape-Room-Spiel daraus machen. Titel-Vorschlag: „EXIT – Das Spiel: Die Jagd nach dem Spiel ‚EXIT – Das Spiel: Der perfekte Einbruch‘“. Na gut, vielleicht etwas sperrig …
Auch „Der verlorene Piratenschatz“ von Inka und Markus Brand, das neueste Family-Abenteuer aus der EXIT-Reihe, sollte am 20. August erscheinen, dann am 31. August, doch auch hier lief meine Vorbestellung ins Leere. Als ich per Mail die Benachrichtigung bekam, dass es nicht geliefert werden könne, guckte ich bei Amazon – und wie durch ein Wunder war es hier plötzlich verfügbar, warum auch immer. Also nichts wie rein in den Warenkorb – und schon am nächsten Abend begaben wir uns auf das Piratenschiff und schipperten über die Weltmeere. Das Spiel ist das erste aus der „Family“-Reihe, das wir ausprobiert haben, da sie auf uns immer so wirken, als seien sie vor allem für Kinder gemacht. Im Review lest ihr, ob uns das Piratenabenteuer trotzdem überzeugen konnte.
Story: Mit fünf tierischen Helden auf großer Schatzsuche
Die Geschichte von „Der verlorene Piratenschatz“ aus der EXIT-Reihe ist unterhaltsam und kindgerecht, aber natürlich nicht besonders tiefgründig. Das Spiel begleitet erneut fünf Tiere, die sich zu einem sehr geheimen Geheimclub zusammengeschlossen haben, den „Heroes“. Hündin Bello, Papagei Nele, Katze Milo, Wanze Luis und Hamster Häm suchen immer nach neuen Abenteuern. Dieses Mal erfahren sie aus der Zeitung, dass im Hafen gerade ein Museumsschiff parkt, und wollen es sich anschauen. Doch kaum sind die Helden an Bord, nimmt der Ausflug eine Wendung – und aus dem Museumsbesuch wird die spannende Jagd nach einem verlorenen Piratenschatz!

Spielmechanik: Das Beste aus den unterschiedlichen EXIT-Welten
In „Der verlorene Piratenschatz“ sind uns mehrere Mechaniken begegnet, die wir bereits in anderen Spielen gesehen haben. Es gibt beispielsweise die mit Buchstaben versehenen Rätselkarten, auf denen man die Bestandteile vieler Puzzles findet. Aber auch etliche sogenannte „seltsame Teile“ und die klassische Code-Scheibe sind dabei. Durch die Geschichte geführt wird man anhand von Abenteuer-Karten, die mit Symbolen gekennzeichnet sind – dieses System haben wir zuletzt beim Puzzle „Das dunkle Schloss“ gesehen. Das Spiel mischt für uns deshalb das Beste aus mehreren Welten.
Beim Lösen der Rätsel in „Der verlorene Piratenschatz“ ergeben sich immer dreistellige Codes. Nach der Story-Einführung wird das erste Rätsel gelöst, der Code auf der Code-Scheibe eingegeben. Die Scheibe selbst verrät dann, ob der Code richtig ist, und führt die Spieler zur nächsten Abenteuer-Karte, auf der die Story weitererzählt wird und die dann wiederum zu den nächsten Rätselkarten führt. So ackert man sich nach und nach durch das Material. Hinweis-Karten gibt es nicht, dafür wurde wie bei den Puzzles von EXIT eine große Hinweis-Sektion ins Anleitungsheft eingearbeitet.

Material: Hübsch, sehr süß und großartig für Familien
Das Material der Spiele aus der EXIT-Reihe ist immer wunderbar. Bei „Der verlorene Piratenschatz“ ist, wie sicher auch bei den anderen Family-Abenteuern, alles sehr süß und familiengerecht gestaltet. Sowohl die Qualität als auch die Vielfalt der einzelnen Bestandteile überzeugen. Enthalten sind insgesamt 23 „seltsame Teile“ und auch eine Schnur, die bei einem Rätsel zum Einsatz kommt. Natürlich wird auch bei „Der verlorene Piratenschatz“ Material zerstört, was ich bei den Spielen von EXIT grundsätzlich schade finde. Allerdings fällt es bei den kleineren Boxen zumindest preislich nicht so ins Gewicht.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Rätsel- und Abenteuer-Karten viel größer sind als bei den normalen EXIT-Spielen. Hier kann man viel besser gemeinsam draufschauen! Und: Das Schachtel-Design ist sehr schön. Sogar die Innenseite des Deckels ist passend zum Thema gestaltet, ohne dass es bei einem Rätsel eine Rolle spielt. Da war ich fast etwas beleidigt, dass uns im Deckel der Erwachsenen-Spiele sonst nur Pappe erwartet.

Rätsel: Bei der Schwierigkeit gehen die Meinungen auseinander
Wir haben „Der verlorene Piratenschatz“ zu zweit gespielt – und hatten teilweise eine unterschiedliche Perspektive auf die Rätsel. Ich fand sie durchgängig zu leicht, was aber keine große Überraschung ist, denn ich spiele jede Woche mehrfach Rätselspiele. Mein Spielpartner gehört zu unserer Escape-Room-Crew, spielt gelegentlich mit – und hat bei zwei Rätseln trotzdem die entsprechende Karte auf den Tisch geworfen und „Ich bin raus!“ gerufen. Wobei die Reaktion vielleicht etwas übertrieben war, denn mit etwas mehr Nachdenken wäre er ganz sicher auf die Lösung gekommen.
Das hat in mir aber zumindest die Frage aufkommen lassen, ob ein Kind im Alter von 8 Jahren in der Lage wäre, alles selbstständig zu lösen. Bei mir ist es leider lange her, dass ich so alt war, deshalb kann ich nur mutmaßen: Als Kind hätte ich das Spiel geliebt, aber es hätte an der einen oder anderen Stelle sicher Frust-Potenzial gehabt, denn man muss (wie bei EXIT üblich) schon auch mal etwas um die Ecke denken. Aber: Es ist ja ein Familienspiel, die Eltern können also helfen. Was ganz sicher auch notwendig ist, beispielsweise bei einer Aufgabe, bei der etwas gebastelt werden muss. Das geht nicht ohne etwas Fummelei.

Für mein Gefühl als erwachsener Rätsel-Junkie sind die Aufgaben aber richtig toll. Jedes einzelne Rätsel hat mir gefallen. Immer wieder gibt es auch kleine Twists, die für Aha-Effekte sorgen – und es sind natürlich auch die für EXIT typischen kleinen Überraschungen verbaut. Auch wenn mich die Rätsel vom Schwierigkeitsgrad her nur wenig herausgefordert haben, fand ich es spannend, die einzelnen Mechanismen zu entdecken. Ich hätte irgendwie nicht gedacht, dass ich das sagen würde, aber: „Der verlorene Piratenschatz“ war für mich ein wirklich tolles Abenteuer, das es geschafft hat, mich an mehreren Stellen zu überraschen.
Fazit: „Der verlorene Piratenschatz“ ist nicht nur für Kinder
Hat mich die Story des Spiels aus den Socken gehauen? Nein. Haben die Rätsel meine Gehirnwindungen zum Glühen gebracht? Definitiv nein! Hat mir „Der verlorene Piratenschatz“ trotzdem gefallen? Ja! Werde ich nach diesem Test auch die anderen Family-Abenteuer spielen? Auf jeden Fall. Wie immer bei EXIT gibt es tolle Mechaniken, einige Überraschungen und Rätsel, die vielleicht nicht immer komplett neu sind, aber definitiv mit einer originellen Umsetzung glänzen. Das neue Family-Spiel ist für mich definitiv ein gelungenes Abenteuer, das aber nicht nur für Familien, sondern auch für Einsteiger in die Prinzipien von EXIT bestens geeignet sein sollte.
Für mich als erwachsener Rätsel-Fan hat vor allem das Entdecken der Mechaniken super funktioniert. Unabhängig davon kann ich mir das Spiel vor allem in zwei Situationen gut vorstellen. Erstens: Ich habe einen harten Arbeitstag hinter mir und möchte abends trotzdem noch etwas spielen, ohne mich zu sehr anstrengen zu müssen. Zweitens – und das meine ich nicht despektierlich: Wenn unsere Escape-Room-Gang mit 80 Jahren irgendwann in einer Senioren-WG lebt, wir gern solche Spiele spielen wollen, aber die Konzentration für schwere Rätsel nicht mehr reicht, gibt es hoffentlich noch Family-Games von EXIT, in die wir mit einem Eierlikörchen abtauchen können. Je oller, je doller!

Ergänzende Anmerkungen: Family-Games bisher im Doppelpack
Aus der Family-Reihe von EXIT sind bisher zwei Doppelpacks erschienen, also größere Boxen mit jeweils zwei Fällen. Die Kombi aus „Schloss Gemeinstein“ und „Mission Candyland“ kam im September 2024 auf den Markt, „Backstage Boys“ und „Jahrmarkt im Dunkeln“ folgten ein Jahr später. Das Prinzip der Spiele ist das gleiche wie bei „Der verlorene Piratenschatz“. Die Boxen kosten jeweils rund 25 Euro und sind damit etwas teurer als die einzelnen EXIT-Spiele.
Für wen ist „Der verlorene Piratenschatz“ von EXIT geeignet?
- Fans der EXIT-Spiele von Kosmos und ihrer Überraschungen.
- Spieler, die Piraten-Settings mögen.
- Rätsel-Profis, die ein entspanntes, kleines Abenteuer suchen.
- Familien, die den Abend mal nicht vor dem Fernseher verbringen wollen.
- Nicht geeignet für Rätsel-Fans, die richtig schwere Aufgaben brauchen, um glücklich zu sein.

Bewertung und Infos zu
„Der verlorene Piratenschatz“
Titel: EXIT – Der verlorene Piratenschatz
Anbieter: Kosmos
Genre: Abenteuer
Sprache: Deutsch
Spieldauer: 45 bis 75 Minuten
Schwierigkeit: leicht
Empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: 14,99 Euro
Erhältlich u.a. im Shop von Kosmos
Gesamtwertung: 4,7 von 5 Sterne
Urteil: Großartig!
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