Gerade erst ist „New Game Adventures“ aus der beliebten Escape-Room-Reihe „Unlock!“ von Space Cowboys erschienen – eine Box mit drei neuen Abenteuern, die schon ihren Weg auf einige Spieltische gefunden hat. Zu dem Anlass habe ich eine Reise in die Vergangenheit der Escape-Room-Spiele von „Unlock!“ gewagt und mir eines der ersten Abenteuer vorgeknöpft. „Die Formel“ erschien im März 2017 in Deutschland, also vor knapp zehn Jahren. Wie fühlt sich das Spiel aus der heutigen Sicht an? Der große Test.
Die heute populäre Reihe „Unlock!“ startete im März 2017 mit der ersten Box „Escape Adventures“ – und etablierte damit neben der EXIT-Reihe von Kosmos eine ganz eigene Spielidee auf dem gerade entstehenden Markt der Escape-Room-Spiele für zu Hause. „Die Formel“ ist einer der drei Fälle, die sich damals in der Box fanden – und ein ganz besonderer: Das Spiel ist laut Hersteller das leichteste der „Escape Adventures“ in der Schachtel und dürfte damit für viele Spieler in Deutschland der Einstieg in das Genre gewesen sein.
Ich kenne „Unlock!“ von Anfang an und habe vor Jahren auch mal mitgespielt, aber reine Kartenspiele mochte ich nie, weshalb ich sehr lange einen Bogen um die Reihe machte. Erst „Geheimakte Hollywood“ hat mir gezeigt, dass die Spiele viel mehr sind als reine Kartenspiele – seitdem habe ich die kleinen Boxen mit einzelnen Fällen in meine Sammlung aufgenommen. Zum Erscheinen der neuen „New Game Adventures“ bin ich nun in die Vergangenheit gereist und habe mir „Die Formel“ angeschaut. Kann das Spiel mit den neueren Abenteuern mithalten?
Story: Escape-Room-Spiel mit klassischem Setting
„Die Formel“ ist ein richtig klassisches Escape-Room-Spiel mit einem echten Basic-Setting in der Welt der Escape Rooms: Wir werden im Labor eines Wissenschaftlers namens Dr. Hoffmann eingeschlossen. Der Chemiker hat 1961 für ein Geheimprojekt ein Wahrheitsserum entwickelt und steht kurz vor dem Durchbruch. Doch nun scheint er verschwunden zu sein. Wir betreten sein Versteck. Was ist mit Dr. Hoffmann passiert, wo ist seine geheime Formel für das Serum – und wie kommen wir wieder aus seinem Labor raus? Wir haben eine Stunde, um den Ausweg zu finden.

Spielmechanik: Viele Karten und eine App führen durch das Spiel
Zwischen der Mechanik von damals und heute gibt es keine wirklich großen Unterschiede. „Die Formel“ ist ein Kartenspiel mit 60 Karten, die mit Buchstaben oder Zahlen markiert sind. Zu Beginn betreten wir das Versteck von Dr. Hoffmann und finden auf einer Skizze des Raums, in dem wir uns befinden, Zahlen und Buchstaben. Die entsprechenden Karten dürfen wir uns anschauen. Diese Regel gilt fortan immer: Betreten wir einen neuen Ort und entdecken wir dort Zahlen oder Buchstaben, dürfen wir uns die dazu passenden Karten aus dem Stapel nehmen.
Es gibt rote und blaue Objektkarten, gelbe Codekarten, grüne Maschinenkarten und graue Karten, die beispielsweise verschiedene Orte zeigen. Durch das Lösen von Rätseln, das Kombinieren von Objektkarten und das Erkunden der Schauplätze wird man nach und nach durch den Kartenstapel geführt. Die Funktionsweise der Karten kann man in einem Mini-Tutorial testen, das dem Spiel beiliegt. Es kann zu Beginn kurz überfordernd wirken, aber wenn man es einmal begriffen hat, bedient man den Kartenstapel schnell intuitiv. Unterwegs trifft man immer wieder auf leichte Abwandlungen der Grundmechaniken, die man aber gut durchschaut.

Zusätzlich gibt es eine sehr gut gemachte App, die vor allem für die Codekarten und die Maschinenkarten wichtig ist. Denn hier können die entsprechenden Codes eingegeben werden – und hinter den „Maschinen“ verbergen sich kleine Minispiele oder Mechaniken, die man auf dem Smartphone bedienen kann. Die App bietet außerdem Hintergrundmusik, einen Timer, Hinweise und den gefürchteten Strafknopf: Macht man im Spiel einen Fehler, muss man sich damit selbst bestrafen, dann wird etwas von der verbleibenden Zeit abgezogen. Und es gibt bei „Die Formel“ einige Möglichkeiten, Fehler zu machen! Die Kombination aus App und Karten funktioniert tadellos und bietet schon bei diesem allerersten „Unlock!“-Spiel kleine, witzige Überraschungen.
Material: „Die Formel“ holt leider noch nicht alles raus
Die Karten sind bei „Die Formel“ schön gestaltet, bieten eine einheitliche und thematisch passende Rückseite und sehr gut gemachte Illustrationen. Auch die App ist hochwertig und ergänzt das eigentliche Spiel wunderbar. Etwas schade finde ich, dass es in „Die Formel“ tatsächlich nur die Karten als Material gibt – andere Spiele aus der Reihe, die ich inzwischen schon auf dem Tisch hatte, boten noch Komponenten, die etwas Abwechslung in das Spiel brachten. Für mich kann „Die Formel“ auch deshalb aus heutiger Sicht nicht ganz mit den neueren Spielen mithalten. Allerdings bleibt der Escape Room auch eines der ersten Abenteuer der Reihe – und dafür bietet das Spiel bereits überraschend viel.

Rätsel: Klassische Escape-Room-Rätsel mit kleinen Schwächen
Bei den Rätseln in „Die Formel“ handelt es sich um richtig klassische Escape-Room-Aufgaben – exakt so, wie ich sie bei einem Spiel aus der Anfangszeit des Genres erwartet habe. Die meisten Rätsel ergeben sich dadurch, dass unterschiedliche Komponenten miteinander kombiniert werden müssen, um etwa einen Code herauszufinden. Es gibt aber auch spannende Aufgaben, bei denen man Objekte kombinieren muss, ganz wie in einem klassischen Point-and-Click-Adventure. Das Setting bietet dabei alles, was man in einem Labor eben erwartet. Es gibt farbige Flüssigkeiten in Fläschchen, Zahlenschlösser, Tastenfelder, zunächst unerreichbare Schlüssel – und natürlich darf auch das Periodensystem der Elemente nicht fehlen. Für alle, die solche Spiele und Escape Rooms mögen, ist „Die Formel“ definitiv eine witzige Reise in die Vergangenheit der Rätselräume.
Allerdings hat mir nicht alles in „Die Formel“ gut gefallen. In meiner Ausgabe gibt es beispielsweise eine Ungenauigkeit bei der Darstellung einer Farbe, die sich auf das finale Rätsel auswirkt. Und: Im Spiel gibt es sogenannte „versteckte Objekte“ in Form von Zahlen, die so gut versteckt sind, dass ich keines davon gefunden habe. Zum Glück gibt es dafür einen Mechanismus: Nach einiger Zeit gibt die App von sich aus Hinweise darauf und fragt, ob man schon dieses oder jenes genauer untersucht hat. Trotzdem: Eine Zahl war so gut versteckt, dass ich selbst mit Hinweis fünfmal hinschauen musste. Das fand ich als Aufgabe ohne Hinweis schlicht unlösbar.

Fazit: „Die Formel“ ist eine (schöne) Reise in die Vergangenheit
„Die Formel“ ist ein schönes und sehr klassisches Escape-Room-Spiel, das mit einem bekannten Setting und dazu passenden Aufgaben überzeugt. Die Schwächen bei den Rätseln kann das Spiel durch kleine Überraschungen ausgleichen. Denn dafür, dass „Die Formel“ quasi das erste Spiel aus der „Unlock!“-Reihe ist, bietet es bereits nette Features. Ich denke da vor allem an ein Audio-Rätsel in der Mitte des Spiels, das mir ein Lächeln entlockt hat. Die Story hat sich dafür etwas unrund angefühlt. Denn eine Entscheidung, die etwa in der Mitte des Spiels angekündigt wurde, durfte (oder musste) ich am Ende gar nicht treffen. Trotzdem: „Die Formel“ erinnert an die Anfänge der Escape Rooms, an klassische Settings und Rätsel – und zeigt zugleich klar, warum die Serie unter Escape-Room-Fans heute Kult ist.

Ergänzende Anmerkungen: Hoffmann und seine Formel sind beliebt
Der Fall „Die Formel“ findet sich in der Dreier-Box „Escape Adventures“. Ich kaufe die Spiele aber einzeln, oft auch gebraucht über Portale wie Vinted. Für dieses Spiel habe ich dort beispielsweise vier Euro bezahlt. Es lohnt sich, nach solchen Angeboten zu schauen! Zur Box gehörten damals noch „In der Mausefalle“ und „Die Insel des Doktor Goorse“.
Und noch ein Funfact zum Schluss: Der Wissenschaftler im Spiel heißt Dr. Hoffmann und wir suchen seine Formel. Lustigerweise heißt einer der ersten Escape Rooms, die in Deutschland eröffnet wurden, „Die Hofmann-Formel“. Hier geht es allerdings nicht um ein Wahrheitsserum, sondern um einen Krankheitserreger – und dieser Hofmann schreibt sich nur mit einem „f“. Warum dieser Name und Formeln es der Escape-Room-Branche so angetan haben, wird vermutlich ein Rätsel bleiben. Übrigens: Den Raum kann man aktuell noch spielen – bei Team Escape in Dresden, Düsseldorf, Koblenz, Köln und Münster.
Für wen ist „Die Formel“ aus der „Unlock!“-Reihe geeignet?
- Spieler, die klassische Rätselräume aus der Anfangszeit der Escape Rooms lieben.
- Rätsel-Fans, die Point-and-Click-Adventures mögen.
- Escape-Room-Fans, die Labor-Settings schon immer mochten.
- Alle, die die Anfänge der Escape-Room-Spiele für zu Hause verpennt haben.
- Nicht geeignet für Spieler, die reine Kartenspiele ohne anderes Spielmaterial nicht leiden können.

Bewertung und Infos zu
„Die Formel“ von „Unlock!“
Titel: Die Formel, Unlock!
Anbieter: Space Cowboys & Asmodee
Genre: Abenteuer, Escape Room
Sprache: Deutsch
Spieldauer: 60 Minuten
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: rund 15 Euro
Erhältlich unter anderem bei Amazon
Gesamtwertung: 4,3 von 5 Sternen
Urteil: Sehr gutes Spiel!
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