„The Emerald Flame“ von PostCurious ist ein Abenteuer, das mit einer Spielzeit von sechs bis zehn Stunden definitiv zu den größeren Spielen in meiner Sammlung gehört. Das Rätselspiel führt auf der Suche nach den Geheimnissen der Alchemie direkt ins Zentrum von Prag. Für diesen Test habe ich das besondere Escape-Room-Spiel unter die Lupe genommen.
Viele Spiele werben damit, dass man sich dank ihnen wie ein echter Abenteurer fühlen darf. Aber seien wir mal ehrlich: Können wir uns wirklich wie Indiana Jones, Lara Croft oder Professor Robert Langdon in „The Da Vinci Code“ fühlen, so, als seien wir einer ganz großen Sache auf der Spur? Ja, wir können! „The Emerald Flame“ von PostCurious ist eines der Meisterwerke, die hervorragend das Gefühl einer echten Schatzsuche vermitteln. Plötzlich passen Dinge zusammen, die vorher nicht zusammenpassen wollten. Plötzlich versteckt sich in einer harmlosen Landkarte eine geheime Botschaft. Plötzlich liegt ein seltsames Artefakt an genau der richtigen Stelle und weist uns den Weg in das nächste Kapitel. Lest hier, wohin die besondere Reise mich führte und warum ich jedem rate, den Trip ebenfalls zu buchen.
Story: Auf der Jagd nach den Geheimnissen der Alchemie
Ein seltsamer Brief ist angekommen. Jules Redmond ist der Leiter des Wissenschaftsvereins Koschei Society, der sich mit der Erforschung der Geschichte der tschechischen Hauptstadt Prag befasst. Bei Sanierungsarbeiten im Rathaus hat man etwas entdeckt: Eine kleine Schachtel, die Hinweise auf die Arbeit einer berühmten Alchemistin enthält. Sie soll an einem Trank gearbeitet haben, der regenerierende Fähigkeiten besitzen und Stärke verleihen soll. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum ewigen Leben? Der Verein braucht allerdings Hilfe bei der Entschlüsselung der Gegenstände aus der Schachtel. Wird es gelingen, das versteckte Labor der Alchemistin zu entdecken?

Spielmechanik: Ein Rätsel-Abenteuer ohne zu viel Online-Quatsch
„The Emerald Flame“ ist in drei große Kapitel aufgeteilt, die jeweils in einer Spielzeit von zwei bis drei Stunden gelöst werden können. Sie lassen sich problemlos auch auf mehrere Sitzungen verteilen. Jedes Kapitel besteht aus einem Umschlag und enthält Schriftstücke sowie Gegenstände, mit deren Hilfe verschiedene Rätsel gelöst werden müssen. Sie führen im Kontext der Geschichte zu Lösungswörtern, die anschließend in einem Chat an Jesse Wright übermittelt werden. Sie ist die Assistentin von Jules Redmond, gehört ebenfalls zur Koschei Society und bildet zugleich eine Art roten Faden. Denn sie gibt grob vor, welche Dinge wir im Sinne der Forschungen herausfinden müssen, und bestätigt anschließend teilweise im Außeneinsatz, ob die gefundenen Antworten richtig sind.
Der Rahmen wird jedoch nur sehr grob vorgegeben. Während man in anderen Spielen in stetigem Kontakt mit den Figuren steht, übt sich Jesse Wright in Zurückhaltung. Der Spieler ist größtenteils auf sich allein gestellt und muss selbst herausfinden, welche Erkenntnisse sich aus den wirklich kryptischen Unterlagen gewinnen lassen. Genau das ist eine der großen Stärken von „The Emerald Flame“: Bis auf die wenigen Chat-Nachrichten, die man mit Jesse Wright austauscht, nutzt das Spiel keine weiteren Online-Komponenten. Alles ist in den Unterlagen und Artefakten verborgen. Wer nicht weiterkommt, kann über die Website von PostCurious Hinweise abrufen. Erwähnenswert ist außerdem, dass dort PDF-Dateien mit Übersetzungen sämtlicher Texte zur Verfügung stehen. Mit diesem Hilfsmittel lässt sich das Spiel auch auf Deutsch, Französisch und Spanisch spielen.

Material: Warum „The Emerald Flame“ ein echtes Kunstwerk ist
Das Material der Spiele von PostCurious ist immer ein Highlight – und auch bei „The Emerald Flame“ ist das Design der Spielunterlagen absolut überzeugend. Handgezeichnete Bilder und handgeschriebene Textbestandteile auf edlem, zur Geschichte passendem Papier machen das Abenteuer nicht nur zu einem echten Augenschmaus, sondern zu einem wahren Kunstwerk. Man sieht auf den ersten Blick, wie viel Energie hier in die Gestaltung der einzelnen Rätsel geflossen ist. Ich war traurig, als das Spiel zu Ende war und habe mir gewünscht, dass ich zukünftig in jedem Spiel so tolles Material finde. Noch besser: Manche Dokumente aus „The Emerald Flame“ würde ich mir am liebsten einrahmen und an die Wand hängen! Es gibt nicht viele Spielanbieter, die so kunstvolles Spielmaterial liefern.
Ergänzt werden die Papierunterlagen durch passende Gegenstände, mit denen im Laufe von „The Emerald Flame“ hantiert werden muss. Sie fügen sich perfekt in den Kontext der Geschichte ein und überzeugen durch ihre Qualität – mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Natürlich erkennt man als Spieler, dass die Komponenten nicht wirklich aus einer alten Schachtel aus dem Prager Rathaus stammen. Doch für ein Spiel, das industriell gefertigt wird, muss man feststellen: Viel besser kann man es eigentlich kaum machen. Der Online-Chat ist im Gegensatz zu den Komponenten in der Box sehr schlicht gestaltet. Und das ist gut so, schließlich dient er in erster Linie dazu, Lösungen zu überprüfen. Bei „The Emerald Flame“ lenkt wenig vom eigentlichen haptischen Spielerlebnis ab.
Rätsel: Einigen Spielern ist „The Emerald Flame“ scheinbar zu schwer
Auch die Rätsel sind bei „The Emerald Flame“ Teil des Gesamtkunstwerks. Die einzelnen Aufgaben passen perfekt zur Geschichte und bieten jede Menge Abwechslung. Eigentlich müssen bei den meisten Rätseln versteckte Botschaften entschlüsselt werden. Doch dabei haben sich die Macher von PostCurious so viele Kniffe einfallen lassen, dass es eine wahre Freude ist, sich in diese alchemistische Schnitzeljagd zu vertiefen. Viele der Rätsel sind mehrstufig aufgebaut. Auch wenn das Ziel am Ende meist eine verborgene Nachricht ist, führt der Weg dorthin über Puzzles, Logikrätsel, Suchaufgaben und viele weitere Raffinessen.
Die Meinungen zum Schwierigkeitsgrad gehen auseinander. Ich finde, „The Emerald Flame“ arbeitet mit einer gelungenen Mischung aus einfachen Rätseln und echten Kopfnüssen. Die Schwierigkeit steigt im Verlauf des Spiels kontinuierlich an – der Spieler wächst hier ganz klassisch an seinen Aufgaben. In einem Diskussionsforum im Internet habe ich gelesen, dass vor allem unerfahrene Spieler ihre Schwierigkeiten haben. „The Emerald Flame hat Spaß gemacht, als ich es verstanden hatte – aber meiner Meinung nach war es wirklich schwer. Ich glaube, wir haben nur etwa 75 Prozent davon geschafft, bevor wir es weitergegeben haben“, schreibt etwa ein Spieler. Ein anderer: „Emerald Flame war extrem schwer. Ich erinnere mich, wie ich aufgab, die Lösungen für das zweite Kapitel nachschlug und das Gefühl hatte, meilenweit davon entfernt gewesen zu sein.“ Ich habe das allerdings ganz anders empfunden. Trotz der hohen Komplexität mancher Aufgaben bin ich sicher, dass es mit Konzentration, Geduld und Abenteuerlust möglich ist, sogar ohne Hinweise durch das Spiel zu kommen. Denn alles ist fair aufgebaut und sinnvoll mit Hinweisen versehen.
Ich selbst habe nur an zwei Stellen das Hilfesystem gebraucht: Bei einem Logikrätsel im zweiten Teil übersetzte ich ein Wort falsch, wodurch ich mich in eine Sackgasse manövrierte. Das war jedoch mein Fehler. Das Hinweissystem half mir, den Schnitzer zu entdecken, ohne den Rest des Rätsels zu spoilern. Im dritten Teil scheiterte ich schließlich an einer Aufgabe, auf deren Lösung ich niemals gekommen wäre. Trotzdem musste ich anerkennen, dass auch dieses Rätsel genial konstruiert war. Ich würde deshalb behaupten, dass „The Emerald Flame“ gut lösbar ist, vorausgesetzt, man bringt bereits etwas Erfahrung mit vergleichbaren Rätselspielen mit.

Fazit: Mein ganz persönlicher „Da Vinci Code“-Moment
Wenn ich eine Liste mit Spielen aufstellen müsste, die sich einfach perfekt anfühlen, wäre „The Emerald Flame“ von PostCurious definitiv dabei. Ich würde gern irgendetwas Kritisches sagen – aber ich kann es einfach nicht. Die Rätsel, die Geschichte, das kunstvolle Design und die Qualität des Materials: Hier gibt es für mich schlicht nichts zu bemängeln. Ganz besonders liebe ich die Tatsache, dass Story und Aufgaben so geheimnisvoll daherkommen und man sich trotzdem ohne Frust, dafür aber mit immer größer werdender Entdeckungslust, einen Weg durch dieses Labyrinth bahnt. Nicht viele Spiele schaffen es, dass Rätseln gleichzeitig so fordernd und so befriedigend ist.
Auch die Dramaturgie ist hervorragend gelungen. Nach einem vergleichsweise ruhigen ersten Teil gibt es im zweiten Kapitel echtes Abenteuergefühl mit mehreren spektakulären Aha-Erlebnissen. Der dritte Teil führt schließlich zum großen Finale. Das letzte Kapitel fällt meiner Meinung nach minimal ab, weil sich hier durch die verstärkte Nutzung haptischer Elemente etwas stärker das Gefühl einschleicht, ein Spiel in den Händen zu halten und keine echten Artefakte aus dem Labor der Alchemistin. Das ist allerdings reine Geschmackssache.

Alles in allem ist „The Emerald Flame“ ein rundes Erlebnis. Das Einzige, was meine Wertung theoretisch etwas nach unten ziehen könnte, wäre der Preis. Das Spiel kostet rund 80 Euro, eine Summe, die leider viele Gelegenheitsspieler abschrecken wird. Für eine Spielzeit von bis zu zehn Stunden halte ich das allerdings für absolut vertretbar.
Um zum Einstieg zurückzukommen: Im zweiten Teil des Spiels gab es einen Moment, in dem ich mich tatsächlich wie eine Figur aus „The Da Vinci Code“ fühlte. Am Ende einer langen Rätselkette machte es plötzlich Klick. Ich platzierte ein Artefakt, das die ganze Zeit vor mir gelegen hatte, an genau der richtigen Stelle. Ich rief laut: „Das gibt’s doch gar nicht!“ Nur Sekunden später stand mein Freund in der Tür und wollte wissen, was passiert war. Habe ich das Serum für die Unsterblichkeit gefunden? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist das aber gar nicht so wichtig. Denn „The Emerald Flame“ braucht gar keinen Trank, um unsterblich zu werden. In meinem Herzen bleibt es das ohnehin – und vermutlich auch in den Herzen vieler anderer Puzzle-Fans. Übrigens: „The Emerald Flame“ findet ihr auch in meiner aktuellen Top 5 der Rätselspiele, die einfach jeder spielen sollte.

Ergänzende Anmerkungen: Es gibt bereits ein Prequel zum Spiel
Für alle, die ihr Spielmaterial gern vor Beschädigungen schützen, hat „The Emerald Flame“ noch einen besonderen Service im Gepäck: Der Schachtel liegt ein Refill-Kit bei. Darüber hinaus können sämtliche Spielunterlagen über die Website heruntergeladen und ausgedruckt werden. Ich habe das während des Spielens genutzt und konnte die Originale dadurch unversehrt lassen. Das Spiel ist direkt bei PostCurious, inzwischen aber auch bei weiteren Händlern erhältlich. Mit „Emerald Echoes“ ist außerdem bereits ein zweiter Teil erschienen, der als Prequel zu „The Emerald Flame“ dient.
Für wen
- Erfahrene Rätsel-Fans, die sich nicht von schweren Rätsel abschrecken lassen.
- Spieler, die sich gern mal wie in einem echten Abenteuer fühlen wollen.
- Kunst-Fans, die eine Liebe für besonders hochwertig gestaltetes Material haben.
- Rätsel-Fans, die mal ein umfangreiches Spiel für ein entspanntes Wochenende suchen.
- Nicht geeignet für Spieler ohne jegliche Vorerfahrung im Bereich der Rätselspiele.

Bewertung und Infos zu
„The Emerald Flame“
Titel: The Emerald Flame
Anbieter: PostCurious, USA
Genre: Abenteuer, Fantasy
Sprache: Englisch (Deutsch möglich)
Spieldauer: 6 bis 10 Stunden
Schwierigkeit: mittel bis schwer
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: 89 US-Dollar (rund 78 Euro)
Erhältlich bei PostCurious
Gesamtwertung: 5 von 5 Sterne
Urteil: Weltklasse!
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