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Mehrere Vernehmungsprotokolle aus dem Spiel „Mord mit Zinsen“ liegen auf einem Tisch.

„Cold Case: Mord mit Zinsen“ im Test: Für 10 Euro auf Mörderjagd

Wenn mal kein „Tatort“ läuft, haben Krimi-Fans in Deutschland inzwischen die Auswahl aus etlichen Fallakten-Spielen, bei denen man selbst zum Detektiv werden kann. „Mord mit Zinsen“ ist einer der Fälle aus der „Cold Case“-Reihe von Thinkfun und Ravensburger. Das sind klassische Fallakten mit zahlreichen Dokumenten, die sich – abgesehen von der Eingabe der finalen Lösung – vollständig analog abspielen. Ich habe mir den Krimi aus der irischen Kleinstadt Tolmahoy angeschaut und verrate euch, wo er Schwächen hat und warum man damit trotzdem nicht viel falsch macht.


Gerade im Herbst, wenn ich es mir gemütlich machen möchte, greife ich gern mal zu Krimispielen mit Fallakten, bei denen man sich in einen Stapel Dokumente vertiefen muss. Eines der günstigsten Spiele am Markt ist hier die „Cold Case“-Reihe von Thinkfun und Ravensburger, deren einzelne Teile man schon für zehn Euro bekommt. Aber: Taugt das wirklich als „Tatort“-Ersatz an einem verregneten Sonntagabend? Ich habe mir den Fall „Mord mit Zinsen“ angeschaut und den Täter überführt – und verrate euch hier, warum ich mit meiner Arbeit als Ermittler trotzdem unzufrieden bin.

Story: Zwei Tote in einer Bank und die Polizei hat keinen Plan

„Mord mit Zinsen“ spielt in der Bankfiliale der irischen Kleinstadt Tolmahoy. Hier hat gerade ein neuer Mitarbeiter seinen Dienst begonnen. Doch dann, an einem schönen Mittwochmorgen, kommt es zur Tragödie: Die Bank hat gerade geöffnet, da brechen Clare O’Callaghan, die Chefin der Bankfiliale, und der neue Kollege Dave Connelly plötzlich zusammen. Clare ist sofort tot, Dave stirbt etwas später im Krankenhaus.

Die Todesursache steht recht schnell fest: Die beiden wurden vergiftet! Unklar bleibt, ob es ein Unfall war oder ob ein schrecklicher Mord dahintersteckt. In der Tradition der „Cold Case“-Reihe nehmen wir uns den Fall von 2003 noch einmal vor und suchen Anhaltspunkte für die Aufklärung, damit das Verfahren mehr als 20 Jahre später neu aufgerollt werden kann. Die Geschichte ist schlüssig und macht Spaß, allerdings muss man sich am Ende (wie auch bei anderen Teilen der Reihe) fragen, warum die Polizei den Fall nicht lösen konnte.

Ein Tatortfoto aus dem Spiel „Mord mit Zinsen“ liegt auf einem Tisch.
In „Mord mit Zinsen“ bricht die Direktorin der örtlichen Bank tot an ihrem Schreibtisch zusammen. Was ist hier geschehen?

Spielmechanik: Analoge Fallakte mit digitaler Auflösung

„Mord mit Zinsen“ ist ein klassischer Fallakten-Krimi. In der Schachtel finden wir eine Kriminalakte mit insgesamt 26 unterschiedlichen Dokumenten – von Aktenblättern der Polizei über Fotos vom Tatort bis hin zu Quittungen. All diese Dinge müssen ausführlich studiert werden, denn darin verbergen sich Hinweise auf vier Fragen, die wir am Ende beantworten müssen, um den Fall abzuschließen. Geklärt werden muss unter anderem, wie es genau zu den Todesfällen kam und welche der beteiligten Personen damit in den Fokus der weiteren Ermittlungen rücken muss oder müssen.

Hat man die Antworten auf alle Fragen gefunden, kann man diese auf einer Website zum Spiel eingeben und erhält dann zur Bestätigung jeweils Teile der Geschichte. Interessant: Ein echtes Hinweissystem, das man während der Ermittlungen nutzen kann, habe ich nicht gefunden. Wenn man auf der Lösungsseite aber etwas falsch eingibt, verweist das System auf Beweisstücke, die man sich vielleicht noch mal anschauen sollte. Abgesehen von diesem Eingabesystem spielt sich das komplette Spiel analog ab, was ich als sehr angenehm empfunden habe.

Eine Zeitung aus dem Spiel „Mord mit Zinsen“ liegt zusammen mit anderem Spielmaterial auf einem Tisch.
Wie so oft in Krimispielen dieser Art erfahren die Bewohner der Stadt auch in „Mord mit Zinsen“ aus der Zeitung von der Tragödie, die sich in der örtlichen Bank abgespielt hat.

Material: Schön gestaltet, aber mit kleinen Abzügen

Das Spielmaterial von „Mord mit Zinsen“ ist hübsch und praktikabel gestaltet. Die Dokumente haben meist A4-Format – es gibt Vernehmungsprotokolle und andere Unterlagen der Polizei, medizinische Unterlagen und Schriftstücke aus der Bank. Enthalten sind aber auch kleinere Elemente wie Quittungen, eine Geburtstagskarte, ein Zeitungsausschnitt und jede Menge Fotos vom Tatort und den beteiligten Personen. Sämtliche Elemente sind mit nummerierten Beweismittel-Stempeln der Polizei gekennzeichnet, wodurch man einfach prüfen kann, ob auch wirklich alles in der Schachtel ist. Das Material ist durchaus realistisch gestaltet und es macht Spaß, damit zu hantieren. Nur die Aktenmappe, in der die Unterlagen stecken, könnte wirklich schöner sein – es handelt sich nur um weiße Pappe. Da habe ich auf dem Markt schon Krimispiele mit hübscheren Umsetzungen gesehen.

Eine Aktenmappe aus dem Spiel „Mord mit Zinsen“ liegt auf einem Tisch.
Zweckmäßig, aber lieblos: In anderen Fallakten-Spielen habe ich schon schönere Aktenmappen gesehen, in denen sich die Dokumente für den Krimi befanden.

Was mir bei den Spielen aus der „Cold Case“-Reihe allerdings immer (und auch hier) fehlt, ist das letzte Stückchen Realismus. Es werden bei handschriftlichen Dokumenten beispielsweise immer Schriftarten verwendet, an denen man klar erkennen kann, dass sie mit dem Computer gesetzt wurden. Ein kleines Detail, das dem Spiel aber ein Stück Authentizität nimmt. Um noch ein Beispiel zu nennen: Briefe, die den Dokumenten beiliegen, haben nie Knicke. So, als würde man in Tolmahoy in Irland einfach jedes noch so kleine Schreiben in einem A4-Umschlag verschicken. An solchen Dingen erkennt man, dass es sich bei „Cold Case: Mord mit Zinsen“ um maschinell hergestellte Massenware handelt. Dem Spielspaß tut das (wenn man kein Design-Nerd ist wie ich) allerdings keinen Abbruch.

Rätsel: Bei „Mord mit Zinsen“ steckt der Teufel im Detail

Rätsel findet man in „Cold Case: Mord mit Zinsen“ keine – hier geht es ausschließlich darum, die Dokumente in allen Details zu erfassen, die Informationen richtig zu kombinieren und die korrekten Schlüsse daraus zu ziehen. Nach dem ersten Studium aller Unterlagen hat man schon eine sehr klare Vorstellung, in welche Richtung es gehen könnte – nun müssen aber die Belege her. Um die vier Fragen zu beantworten, müssen eigentlich hauptsächlich drei entscheidende Details in den Dokumenten entdeckt werden.

Das Spielmaterial des Spiels „Mord mit Zinsen“ liegt auf einem Tisch.
Zum Spielmaterial von „Mord mit Zinsen“ gehören auch Elemente wie diese Geburtstagskarte. Für etwas Abwechslung ist also gesorgt.

Und hier sind wir beim Problem: Während zwei der Details wirklich gut konstruiert sind, sich gut finden und logisch erklären lassen, ist gerade das entscheidende Detail, das auf Täterin oder Täter verweist, aus meiner Sicht eher so lala. Es ist etwas versteckt, was auch an einem Begriff liegt, den man – wie ich finde – in der deutschen Version des Spiels anders hätte übersetzen müssen. Und: Selbst wenn man das Detail entdeckt hat, kann man es mit den Informationen, die man zu dem Zeitpunkt hat, eigentlich noch nicht als Beweis werten.

Um es wirklich zu bestätigen, müsste man mit dem einen oder anderen Zeugen sprechen, aber das geht bei „Cold Case“ natürlich leider nicht. Ich habe das Spiel also gelöst, wie es die Logik des Spiels vorsieht. Aber: Meine alles entscheidende Antwort fühlte sich am Ende doch eher wie eine bloße Vermutung an, was mich unbefriedigt zurücklässt. Gleichzeitig frage ich mich, warum die Polizei den Fall nicht lösen konnte und warum er überhaupt zum Cold Case wurde. Denn in der Logik der Geschichte hätte das, was sich aus den Dokumenten nicht sicher erschließt, bei den Ermittlungen vor Ort auffallen MÜSSEN. Offenbar sollte man bei der Polizei von Tolmahoy also definitiv mal wieder eine Weiterbildung ansetzen. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, da die genaueren Details ein Spoiler wären.

Fazit: Trotz verschiedener Schwächen ein gutes Krimispiel

„Cold Case: Mord mit Zinsen“ ist ein schönes Krimispiel für alle, die gern viele Dokumente lesen, sich durch einen Stapel Unterlagen wühlen, dabei tief in alle Details einsteigen und am besten in einer kleinen Gruppe gemeinsam unterschiedliche Theorien diskutieren. Wer allerdings Rätsel, eine mehrstufige Spielmechanik mit deduktiven Elementen oder eine bis ins letzte Detail logische Story sucht, der ist hier falsch. Das schöne Material, die trotzdem durchaus spannende Geschichte und nicht zuletzt der Preis sorgen in der Gesamtwertung trotzdem für 3,9 Sterne.

„Cold Case“ ist für mich immer Hop oder Top: Wer die entscheidenden Punkte sofort erkennt, muss die Unterlagen nur einmal lesen und kann das Spiel sofort lösen. Wem allerdings der Blick für das Wesentliche fehlt, der kann hier lange sitzen und überlegen, ohne zu einer Lösung zu kommen. An einem gemütlichen Krimi-Abend mit einer Tasse Tee kann man sich so einen Fall aber gern mal vornehmen – erst recht für den im Vergleich unschlagbaren Preis.

Bewertung Puzzle Hamster Gut

Ergänzende Anmerkungen: Sechs „Cold Cases“ gibt es schon

Sechs Fälle gehören bisher zum „Cold Case“-Universum: „Eine todsichere Geschichte“, „Eine Prise Mord“, „Mord mit Zinsen“, „Der letzte Zug“ und „Einchecken zum Mord“ waren die ersten fünf. Erst im September 2026 erschien mit „Die letzte Runde“ der bisher letzte Fall. Die einzelnen Spiele sind wirklich erschwinglich. Ich habe meine bei Vinted gekauft – hier werden vor allem die älteren Fälle gern auch mal für drei oder vier Euro weitergegeben, wodurch man nochmal ordentlich sparen kann.

Für wen ist das Spiel „Mord mit Zinsen“ geeignet?

  • Krimi-Fans, die ein Spiel ohne zu viele digitale Komponenten suchen.
  • Spieler, die gemütliche Fälle mögen, bei dem es einiges zu lesen gibt.
  • Alle, die einen guten Blick für Details haben und sich nicht ablenken lassen.
  • Spieler, die mit einem günstigen Spiel den Einstieg in das Genre wagen wollen.
  • Nicht geeignet für Rätsel-Fans, die auch bei Krimispieln gern echte Rätsel lösen.
Mehrere Vernehmungsprotokolle aus dem Spiel „Mord mit Zinsen“ liegen auf einem Tisch.

Bewertung und Infos zu
„Cold Case: Mord mit Zinsen“

Titel: Cold Case: Mord mit Zinsen
Anbieter: Thinkfun & Ravensburger
Genre: Krimi
Sprache: Deutsch
Spieldauer: 90 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 4 Spieler
Preis: 10 Euro
Erhältlich u. a. bei Amazon
Gesamtwertung: 3,9 von 5 Sternen
Urteil: Gutes Spiel!

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