Das Krimispiel „Feuerfest“ ist bereits der zweite Fall der noch recht kleinen Reihe „Dark Cases“, erschienen im Gmeiner-Verlag. Es handelt sich um ein klassisches Fallakten-Spiel, bei dem es darum geht, anhand einer Polizeiakte einen Kriminalfall aufzuklären. Für diesen Test habe ich mir das Spiel angeschaut und versucht, dem Geheimnis der Bürgermeisterin auf die Spur zu kommen.
Ich bin in einem 100-Seelen-Dorf in Sachsen aufgewachsen – zwischen Flohmarkt und Fastnacht, zwischen Stammtisch und Sonnenwende, zwischen Maibaumklauen und Mühlrad. Wenn ich heute ein deutsches Krimispiel mit einer Fallakte spiele, fühle ich mich oft in meine Jugend zurückversetzt. Denn jedes Dorfkind hat es schon mal erlebt: Irgendjemandem aus der Gemeinschaft ist etwas passiert. Die einen machen sich große Sorgen. Die anderen sagen: Geschieht ihm recht. Plötzlich dreht sich alles um das Dorffest, die Feuerwehr rückt aus – und am Ende gibt sogar die Friseurin ihren Senf dazu.
Hört sich nach einer ganz normalen Woche in meiner Heimat an, ist aber der (zugegeben: sehr grobe) Plot von „Feuerfest“, dem zweiten Fall aus der Reihe „Dark Cases“ von Mona Dengler und Tobias Kühnlein, erschienen im Gmeiner-Verlag. Ich habe mich in die Kleinstadt Hagenkirchen begeben, um zu ermitteln. Hier lest ihr, ob ich den besonderen Kriminalfall knacken konnte.
Story: Im idyllischen Hagenkirchen ist die Hölle los
Na gut, jetzt müssen wir schon etwas genauer werden. „Dark Cases: Feuerfest“ spielt im fiktiven Örtchen Hagenkirchen, das – erstaunlich für seine Größe – sogar eine Bürgermeisterin hat. Doch die ist seit dem Wochenende verschwunden. Wohin? Das weiß niemand. Barbara Christ-Kümmersbeck hat in jedem Fall Feinde, denn sie plant Dinge, die einige im Ort gar nicht glücklich machen würden, wenn es zur Umsetzung käme.
Seltsamerweise gab es am Wochenende ihres Verschwindens einen Feuerwehreinsatz, denn im Wald vor Hagenkirchen brannte eine alte Scheune. In den Trümmern entdeckten die Rettungskräfte einen toten Mann, der nicht identifiziert werden konnte. Wer ist er? Wo ist die Bürgermeisterin? Und können beim traditionellen Johannisfeuer des Burschenvereins jetzt überhaupt noch alle Spaß haben?

Spielmechanik: Klassische Fallakte mit digitalen Überraschungen
„Dark Cases: Feuerfest“ ist ein typisches Fallakten-Spiel. In der Box finden sich unterschiedliche Dokumente. Das Material wird studiert – und nach und nach muss man als Spieler herausfinden, was mit der Bürgermeisterin geschehen ist, wer der tote Mann in der Scheune ist und wer für das Chaos in Hagenkirchen verantwortlich gemacht werden muss. Dafür ist es nötig, sich einen Überblick über die Personen in der Kleinstadt zu verschaffen, ihre Wege am verhängnisvollen Wochenende nachzuzeichnen und zu prüfen, ob sie eventuell Alibis haben.
Zusätzlich zum physischen Material finden sich in „Dark Cases: Feuerfest“ sehr abwechslungsreiche und schön gemachte digitale Elemente, die man nach und nach entdeckt und die dem Spiel noch etwas mehr Vielfalt geben. Auf einer Website zum Spiel gibt es ein Start-Briefing sowie Hinweise zu verschiedenen Elementen, falls man an irgendeiner Stelle nicht weiterkommen sollte. Hat man den Fall gelöst, muss man mehrere Fragen dazu beantworten. Spannend dabei: Nach der eigentlichen Lösung des Falls können die Spieler auf Wunsch ein besonderes Finale erleben, bei dem die Ermittlerfähigkeiten unter Druck noch einmal auf die Probe gestellt werden – ein sehr schönes Gimmick!

Material: Professionell und hübsch mit kleinen Abstrichen
Das Spielmaterial ist sehr hübsch. In typischer Fallakten-Manier gibt es vor allem Dokumente in Formaten ähnlich A4 und A5 sowie mehrere Blätter in größeren Formaten. Es handelt sich um Akten der Polizei, aber auch um Flyer, Zeitungsausschnitte und Schreiben von Unternehmen. Sogar eine Art Stadtplan ist dabei. Das Design ist wunderbar. An manchen Stellen wirkt es etwas billig, das dürfte aber ein Stilmittel sein. Denn es passt gut zum Dorf-Charakter des Spiels – ich weiß ja, wie in meiner Heimat die Werbeplakate für Dorffeste aussehen. Die digitalen Bestandteile von „Dark Cases: Feuerfest“ sind ebenfalls klasse – sowohl Bilder als auch Audioelemente haben mich überzeugt.
Ein absolutes Lob gibt’s für das Format. Die meisten Krimispiele kommen in großen Papp-Umschlägen oder -Schachteln etwas größer als A4. Ich mag das nicht, weil die Umschläge in einer Spielesammlung im Regal einfach nicht schön aussehen und so große Schachteln je nach Größe teilweise schwer unterzubringen sind. „Dark Cases: Feuerfest“ ist diesbezüglich ein Geniestreich: Die Macher hatten die irre Idee, die Dokumente einfach zu falten und sie in einer toll designten A5-Box unterzubringen. So einfach, so gut!
Wenn ich etwas bemängeln muss, dann ist es die Tatsache, dass sich auf jeder Website zum Spiel sehr präsent der Vermerk „Diese Website wurde mit WIX erstellt. Erstelle noch heute deine eigene Website“ befindet. Das wirkt nicht nur billig, sondern vermittelt auch den Eindruck, dass alle Seiten aus einem Guss kommen, was etwas die Immersion zerstört. Außerdem hätte ich mir beim Material noch etwas Gegenständliches gewünscht. Das lockert so einen Fall immer auf – und Platz dafür wäre in der Box ganz sicher gewesen.
Rätsel: Leider habe ich nur ein halbes Rätsel gefunden
Wie oft in klassischen Fallakten sind Rätsel rar gesät – eigentlich geht es vor allem darum, die Story in allen Details zu erfassen, Verbindungen herzustellen und am Ende die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dafür muss in „Dark Cases: Feuerfest“ vor allem genau gelesen werden und es schadet auch nicht, einen Blick für Details zu haben und sich Notizen zu machen. Entdeckt habe ich im Spiel (basierend auf meiner Definition) lediglich ein halbes Rätsel, das lösbar war, aber trotzdem einen gewissen Spielraum für Interpretationen bot.

Mein Durchlauf bei „Dark Cases: Feuerfest“ krankte etwas daran, dass ich schlichtweg zu kompliziert dachte. Das hört sich immer nach einem Luxusproblem an – und so, als wolle man behaupten, schlauer als das Spiel zu sein. In diesem Fall war es aber mein Fehler. Ich hatte recht schnell eine Idee, was im beschaulichen Hagenkirchen vorgefallen ist – und diese wurde auch bestätigt. Allerdings dachte ich an einem Punkt, dass die ganze Geschichte noch etwas größer ist, und ließ mich davon in die Irre führen.
Nicht schlimm, denn das passiert jedem guten Kommissar mal! Nach einer ordentlichen Grübel-Pause kam dann aber der zündende Gedanke. Ein weiteres Beispiel dafür, dass es bei solchen Fallakten-Spielen hilfreich sein kann, wenn man sie nicht allein spielt. Denn mehr Spieler bedeutet auch mehr Meinungen und mehr unterschiedliche Ansätze. Am Ende ergab dann alles einen Sinn – und wie immer bei Krimispielen lösen manche Details, die man im ersten Moment nicht erkannt hat, noch den einen oder anderen Aha-Effekt aus.
Fazit: Ein schönes Krimispiel, das herrlich deutsch ist
„Dark Cases: Feuerfest“ ist ein richtig schönes Krimispiel, das so typisch deutsch ist, dass es fast wehtut. Da möchte man sich direkt ein Bierchen einschenken, eine Bratwurst auf den Grill legen und den Gartenzwerg nach Norden ausrichten. Aber Spaß beiseite: Der Fall ist spannend und schlüssig, das Material professionell und mein Sammler-Herz wird durch das tolle Design der Verpackung zum Klopfen gebracht. Ich werde mir definitiv auch den ersten Teil der Reihe anschauen! Nur in einer Sache muss ich der Geschichte von Hagenkirchen widersprechen – zumindest aus meiner Erfahrung: Die Friseurin meines Heimatdorfes – herzliche Grüße, Katrin! – war definitiv diskreter.

Ergänzende Anmerkungen: So kommt ihr nach Hagenkirchen
Vor „Dark Cases: Feuerfest“ ist bereits ein Fallakten-Krimispiel namens „Tiefer Fall“ erschienen. Ich habe auf meinem Weg durch „Feuerfest“ das eine oder andere Detail entdeckt, von dem ich mir gut vorstellen kann, dass es eine Anspielung auf den ersten Fall war. Außerdem glaube ich, dass ich schon eine grobe Idee habe, was als Nächstes auf die Fans von „Dark Cases“ zukommen könnte. Ich bin gespannt!
Und noch ein Funfact zum Schluss: Man könnte die Schauplätze des Spiels sogar besichtigen, auch wenn es die Stadt Hagenkirchen nicht gibt. Die Stadtansicht, die man im Spiel zu sehen bekommt, gehört nämlich der Stadt Hann. Münden (das ist die Abkürzung für Hannoversch Münden) in Niedersachsen. Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes in „Feuerfest“ gehört ein alter Wehrturm auf einem Hügel im Wald – das Original ist die Kirchenruine Nordhusen beim Ort Hundisburg in Sachsen-Anhalt. Wer aber den neu errichteten Mobilfunkmast von Hagenkirchen bestaunen will, muss eher in Richtung Osten fahren: Hier stand der Sendeturm Gubałówka oberhalb der polnischen Stadt Zakopane Modell.

Für wen ist das Krimispiel „Dark Cases: Feuerfest“ geeignet?
- Liebhaber von auf Fallakten basierenden Krimispielen.
- Spieler, die auf hübsch designtes und gut gemachtes Material stehen.
- Fans deutscher Krimis á la „Tatort“ und „Die Rosenheim-Cops“.
- Dorfkinder, die zumindest gedanklich mal wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen.
- Nicht geeignet für alle, die in Krimispielen auch knifflige Rätsel erwarten.

Bewertung und Infos zu
„Dark Cases: Feuerfest“
Titel: Dark Cases: Feuerfest
Anbieter: Gmeiner
Genre: Krimi
Sprache: Deutsch
Spieldauer: 90 bis 150 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 6 Spieler
Preis: 19 Euro
Erhältlich u. a. im Gmeiner-Shop
Gesamtwertung: 4,3 von 5 Sternen
Urteil: Sehr gutes Spiel!
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