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Das Spiel „The Vandermist Dossier“ steht in einem Detektivbüro in den 70er-Jahren in Holland.

„The Vandermist Dossier“: Detektivspiel von den Meistern des Versteckens

„The Vandermist Dossier“ von Diorama zeigt, dass gute Rätselspiele nicht nur aus dem englischsprachigen Raum kommen: Das geniale Abenteuer aus den Niederlanden ist Teil einer Trilogie, deren Übersetzung vor ein paar Jahren via Crowdfunding finanziert wurde. Nun sind auch die Spieler im Rest der Welt hin und weg. Warum? Das klären wir in diesem Spiele-Test.


Warum mögen viele Menschen Rätselspiele so gern? Für mich kann ich diese Frage recht klar beantworten: Ich liebe es, in eine Story einzutauchen, mich in die kleinen und großen Rätsel zu vertiefen und dann mit einem Aha-Effekt belohnt zu werden. Die Momente, in denen plötzlich alles Sinn ergibt und es sich anfühlt, als würden im Kopf kleine Zahnräder einrasten – es sind die schönsten Augenblicke, wenn man sich durch Codes, Verschlüsselungen und merkwürdige Artefakte wühlt. „The Vandermist Dossier“ von Diorama und Sherlocked ist eines der Spiele, die genau jene Momente auszukosten wissen. Ein Aha-Effekt folgt auf den nächsten, und sie werden immer genialer. Am Ende bleibt eine große Frage: Wie konnten es die Entwickler schaffen, in einem kleinen Stapel Papier so viele Überraschungen zu verstecken? Lest hier, warum „The Vandermist Dossier“ einen ewigen Platz auf meiner Top-10-Liste der Rätselspiele hat.

Story: Das rätselhafte Verschwinden der Abigail Vandermist

„The Vandermist Dossier“ ist ein klassisches Detektivspiel, bei dem man in die Rolle eines Ermittlers schlüpft. Man wird von Helena Vandermist kontaktiert, einer Frau aus den Niederlanden, die seit 1979 auf der Suche nach ihrer Schwester Abigail Vandermist ist. Während alle die junge Frau längst für tot erklärt haben, gibt Helena Vandermist nicht auf und engagiert einen Detektiv. Dem stellt sie das Vandermist Dossier zur Verfügung, eine Sammlung merkwürdiger Dokumente, die Abigail ihrer Schwester kurz vor ihrem Verschwinden hinterlassen hat. Ein Notizblock, ein angekokelter Führerschein, eine Seite aus einem Telefonbuch und eine Landkarte sollen dabei helfen, Abigail zu finden. Was hat es mit ihrem Verschwinden auf sich und wo ist die junge Frau heute?

Abigail und Helena Vandermist auf einem alten Foto aus dem Spielmaterial von the Vandermist Dossier.
Helena Vandermist sucht nach ihrer Schwester Abigail. Wer das Rätsel um das „Vandermist Dossier“ lösen möchte, muss tief in die seltsamen Hinweise eintauchen, die Abigail hinterlassen hat.

Spielmechanik: Eintauchen, untersuchen, kombinieren, staunen

Die Spielmechanik in „The Vandermist Dossier“ unterscheidet sich eigentlich gar nicht so sehr von den Mechaniken anderer Detektivspiele – und doch fühlt sie sich vollkommen anders an. Das liegt an mehreren Faktoren. Zum einen sind die Objekte, die im Vandermist Dossier stecken, außergewöhnlicher als bei vielen anderen Rätselspielen. Jeder Gegenstand wirkt auf seine eigene Art und Weise rätselhaft und besonders. Als ich das erste Mal einen Blick in die Kiste warf, wollte ich um jeden Preis herausfinden, welche Geheimnisse sich darin verbergen. Hinzu kommt die besondere Art der Spielführung: Bei vielen Rätselspielen gibt es verschlossene Bereiche, die man sich als Spieler erst erarbeiten muss. Spielmaterial befindet sich beispielsweise in Umschlägen, die man erst nach und nach öffnen darf.

Bei „The Vandermist Dossier“ ist allerdings von Beginn an ALLES zugänglich. Der Spieler kann sämtliche Gegenstände in der Box benutzen und untersuchen und muss sich seinen eigenen Weg durch das Labyrinth aus Rätseln bahnen. Das könnte schnell unübersichtlich werden. Doch die Konstruktion der Rätsel sorgt für einen klaren Weg durch die Welt von Abigail Vandermist. Die Dramaturgie des gesamten Abenteuers ist für mich ein echter Geniestreich.

Material: Echter kann sich ein Rätselspiel nicht anfühlen

Das Material hat mir als Rätsel- und Design-Nerd wahre Jubelstürme entlockt. Nur mit einem wirklich sehr genauen Blick erkennt man, dass es sich um Komponenten handelt, die speziell für ein Spiel angefertigt wurden. Die Gestaltung der einzelnen Elemente ist derart überzeugend, dass es sich anfühlt, als halte man eine echte Ermittlungsakte in den Händen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Handschriftliche Notizen auf einzelnen Elementen wurden hier nicht – wie beim Spieledesign üblich – durch Computerschriften nachgeahmt, sondern tatsächlich mit der Hand geschrieben, eingescannt und anschließend als Designelement verwendet. Dadurch erkennt man sogar die Struktur der Kugelschreiberlinien im Schriftbild. Eine Kleinigkeit, die jedoch für einen enorm hohen Grad an Realismus sorgt.

Auch an anderen Elementen wie der beiliegenden Zeitungsseite erkennt man, dass hier Profis am Werk waren. Gerade beim Design solcher Dokumente werden häufig Fehler gemacht. Wenn ein Zeitungsausschnitt eher wie ein Arbeitsblatt aus der Computer-AG der fünften Klasse wirkt, kann das die Immersion sehr schnell zerstören. Ich bin nicht sicher, ob ich in einem Rätselspiel jemals so eine reallistisch aussehende und gut gestaltete Zeitungsseite gesehen habe. Das gesamte Material fängt außerdem die Zeit, in der Abigail Vandermist verschwand – Ende der 1960er-Jahre –, hervorragend ein. Und die Liebe zum Detail zieht sich bis zum Design der Verpackung. In Sachen Spielmaterial gehört „The Vandermist Dossier“ bisher tatsächlich zu den schönsten Rätselspielen meiner Sammlung.

Ein Blick auf das Spielmaterial von The Vandermist Dossier. Das Bild zeigt eine alte Zeitung, einen Notizblock und einen leicht angesengten Führerschein.
Jede Menge merkwürdige Gegenstände: Führen eine Zeitung, ein Notizblock und ein angekokelter Führerschein zur vermissten Abigail Vandermist?

Rätsel: Die Macher von „The Vandermist Dossier“ sind echte Künstler

Die Rätsel haben einen ausgewogenen Schwierigkeitsgrad, sind sehr fair und – wenn man sich die nötige Zeit nimmt – auch ohne Hinweise gut lösbar. Das Spiel enthält sowohl klassische Entschlüsselungsaufgaben als auch ein wirklich gelungenes Puzzle. Hier sieht man, dass sich die Entwickler Gedanken gemacht haben, wie man ein solches Legespiel SINNVOLL in eine Geschichte einbetten kann. Über manche Rätsel kann man leider nichts Genaueres sagen, ohne zu spoilern. Deshalb fasse ich mich kurz: Die Rätsel in „The Vandermist Dossier“ dürften selbst Rätselfans überzeugen, die bereits etliche Spiele dieses Genres erlebt haben. Wer trotz des ausgewogenen Schwierigkeitsgrads nicht weiterkommt, findet auf der Website von Diorama einen Guide mit Hinweisen, aufgeteilt nach den einzelnen Spielkomponenten.

Besonders spannend an „The Vandermist Dossier“ ist dabei, dass die Macher echte Meister des Versteckens sind. An mehreren Stellen im Spiel gibt es Überraschungen, mit denen man nicht rechnet, obwohl sie sich die ganze Zeit direkt vor der eigenen Nase befinden. Sie sind so geschickt ins Spielmaterial und in die Spielführung eingebettet, dass sie praktisch unsichtbar bleiben, bis man im Verlauf des Spiels darauf stößt. Ich war um Spiel mehrfach fassungslos und fragte mich, wie ich diese Dinge die ganze Zeit übersehen konnte. Das zeigt eindrucksvoll, wie viel Liebe zum Detail in die Aufgaben gesteckt wurde. Auch das macht „The Vandermist Dossier“ zu einem echten Glanzstück.

Eine Nahaufnahme einer Stadtkarte aus dem Spiel The Vandermist Dossier.
Als Detektiv muss man alle Möglichkeiten nutzen, die sich einem bieten. Manchmal kann auch eine einfache Touristen-Karte wichtige Hinweise enthalten. Führt sie zur Lösung des Rätsels um das „Vandermist Dossier“ ?

Fazit: Leute, ihr müsst „The Vandermist Dossier“ spielen!

„The Vandermist Dossier“ ist für mich ein echtes Must-Play unter den Rätselspielen. Vor allem das Design des Materials hat mich überzeugt und komplett in die Welt des Spiels gezogen. Schon beim ersten Blick in die Box wird man von der Lust erfasst, dem Geheimnis der Gegenstände auf den Grund zu gehen. Den Deckel einer Schachtel anzuheben und sofort gefesselt zu sein – das muss ein Rätselspiel für zu Hause erst einmal schaffen.

„The Vandermist Dossier“ gelingt das mit Leichtigkeit. Die Rätsel machen Spaß, die Aha-Momente sind unglaublich und die einzelnen Auflösungen verzaubern. Der einzige negative Punkt, den ich leider festhalten muss: Man wäre gern länger in dieser Welt geblieben. Doch leider muss jedes Spiel irgendwann enden. „The Vandermist Dossier“ ist definitiv eines der besten Rätselspiele, die ich bisher gespielt habe. Der einzige Punkt, den ich abziehen muss, geht an den Preis: Mit 69,70 Euro ist das Spiel definitiv nicht günstig und wird leider viele Leute abschrecken, auch wenn es sich lohnt. Übrigens: „The Vandermist Dossier“ findet ihr auch in meiner aktuellen Top 5 der Rätselspiele, die einfach jeder spielen sollte.

Bewertung Puzzle Hamster Großartig

Ergänzende Anmerkungen: Abzug gibt es hier nur für den Preis

„The Vandermist Dossier“ ist der erste Teil einer Spieletrilogie, die von Diorama aus den Niederlanden entwickelt wurde. Auch Teil zwei – „The Medusa Report“ – ist bereits auf Englisch erschienen. Der dritte Teil der Trilogie soll noch folgen. Momentan werden die Spiele von Sherlocked vertrieben, einem sehr angesehenen Anbieter für Escape Rooms in Amsterdam. Durch den Versand aus den Niederlanden entfällt der Zoll. Außerdem bietet Sherlocked ein Bundle mit beiden Spielen („The Vandermist Dossier“ und „The Medusa Report“) an, mit dem sich zehn Prozent sparen lassen.

Beim Spielen von „The Vandermist Dossier“ wird eines der Elemente zwangsläufig zerstört. Der Box liegt deshalb ein Refill-Kit bei, mit dem das Spiel zurückgesetzt werden kann. Erwähnenswert ist außerdem, dass es nach der Vollendung der Trilogie übergreifende Rätsel geben soll, die alle drei Spiele miteinander verbinden. Schon jetzt lassen sich bei genauer Betrachtung Hinweise darauf in „The Vandermist Dossier“ entdecken. Wer das Spiel schon jetzt mag, darf also definitiv gespannt bleiben.

Für wen ist „The Vandermist Dossier“ geeignet?

  • Spieler, die sich schon immer wie echte Detektive fühlen wollten.
  • Fans von hyperrealistischem und authentischem Spielmaterial.
  • Alle, die bei einem Detektivspiel mal ordentlich staunen wollen.
  • Rätsel-Profis, die auch nach 150 Spielen noch überrascht werden wollen.
  • Nicht geeignet für … ganz ehrlich? Jeder sollte „The Vandermist Dossier“ spielen.
Das Spiel „The Vandermist Dossier“ steht in einem Detektivbüro in den 70er-Jahren in Holland.

Bewertung und Infos zu
„The Vandermist Dossier“

Titel: The Vandermist Dossier
Anbieter: Sherlocked, Niederlande
Genre: Krimi, Abenteuer
Sprache: Englisch
Spieldauer: 90 bis 120 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: 12
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: 69,70 Euro
Erhältlich bei Sherlocked
Gesamtwertung: 4,8 von 5 Sterne
Urteil: Großartig!

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