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Das Bild zeigt einen Stapel Papier auf einem Detektiv-Schreibtisch, obenauf liegt das Deckblatt des Spiels „Sarah Killed Me!“.

Krimispiele mit Tausenden Namen: Wie entstehen diese Mega-Rätsel?

Krimispiele mit Tausenden Namen sind momentan der Rätsel-Trend schlechthin. Diese auf den ersten Blick unlösbar wirkenden Spiele gibt es in Form von Büchern auf Amazon und zum Download bei Etsy. In einem Artikel habe ich ein paar davon getestet. Doch eine Frage blieb offen: Wie entwirft man so ein Mega-Rätsel? Ich habe es mir von Denise Harris, der Entwicklerin von „Sarah Killed Me!“, erklären lassen.


Wer eine richtig skurrile Herausforderung sucht, der kommt an diesem besonderen Krimirätsel-Konzept aktuell nicht vorbei: Etliche Rätselspiele mit Tausenden Namen sind im Moment bei Amazon zu haben. Und auch bei der Homemade-Plattform Etsy verkaufen Entwickler ihre auf Namenslisten basierenden Krimispiele als Download. Mal mit 5.000, mal mit 10.000, mal mit 40.000 Namen. Die neuartigen Rätsel scheinen keine Grenzen zu kennen.

So funktionieren die Krimispiele mit Tausenden Namen

Das Prinzip ist immer gleich: Ein Verbrechen ist geschehen. Als Spieler habe ich eine Liste mit Tausenden Verdächtigen vor mir. Dazu bekomme ich mehrere Hinweise, mit deren Hilfe ich nach und nach Namen aus dem Register streichen muss. Mal ist es „Der Täter war ein Mann“, mal ein Clue wie „Der Name des Täters endet mit einem Vokal“, mal „Der Name steht auf einer Seite, die nicht mit einer geraden Zahl endet“. Die Namen müssen anhand der Hinweise aussortiert werden, bis nur einer übrig bleibt: der Täter oder die Täterin.

Diesen Monat erscheint das Buch, das den Hype ausgelöst hat, in Deutschland: „The Killer Isn’t Alice“ (Heyne) wird ab dem 12. August in den Läden stehen. Wie die Spiele funktionieren, wie man sie löst und ob sie Spaß machen – diese Fragen habe ich in meinem großen Test zu Rätselspielen mit 40.000 Namen schon beantwortet. Doch eine Frage hat sich mir selbst beim Testen mehrfach gestellt: Wie in Gottes Namen entwickelt man so ein Spiel?

Das Spielmaterial von „Sarah Killed Me!“ liegt ausgedruckt auf einem Tisch.
Das Spiel „Sarah Killed Me!“ ist als Download bei Etsy erhältlich. Und das gleich in mehreren Schwierigkeitsstufen mit unterschiedlichen Anzahlen an Namen.

Das strategische Lösen ist das eine, das Erstellen einer Liste mit mehr als 40.000 Namen hört sich für mich aber nach einer ganz anderen Herausforderung an. Wer sich die Bücher auf Amazon anschaut, dem drängt sich vor allem ein Verdacht auf: Hier muss Künstliche Intelligenz eine entscheidende Rolle spielen! Schon beim Blick auf die Buchcover dürfte das allen, die inzwischen einen Blick für den Grafikstil der KI entwickelt haben, klar werden. Ich bin sicher, dass die Technologie in vielen Fällen beim Entwickeln der Rätsel hilft, wenn sie die Arbeit nicht sogar vollständig übernimmt. Aber: Ich habe inzwischen auch gelernt, dass es anders geht.

Wer hat „Sarah Killed Me!“ entwickelt?

In meinem Test hat mir ein Spiel besonders gut gefallen: „Sarah Killed Me!“ von Denella Publishing aus England. Es wird als Download bei Etsy vertrieben und ist in mehreren Schwierigkeitsgraden erhältlich. Ich habe die einfache Version mit 1.960 Namen getestet, die ich vor allem deshalb mochte, weil sie eben nicht so wuchtig ist. Doch das Spiel gibt es auch noch in größeren Varianten mit 10.000 Verdächtigen und mit 15.000 Verdächtigen. Inzwischen hat eine Variante mit 5.000 Namen die Version mit 1.960 Namen ersetzt.

Entworfen wurden alle von Denise Harris, einer ehemaligen Sozialarbeiterin aus der Umgebung von Nottingham, die Denella Publishing im Jahr 2024 mit ihrer Tochter Ella gegründet hat. Rätsel haben Denise schon lange fasziniert, verrät sie mir. „Ich löse sehr gern Puzzles, Logikrätsel und Denksportaufgaben“, sagt sie. „Besonders reizt mich die systematische Vorgehensweise beim Ausschlussverfahren.“ Und sie liebt Krimis und Dokumentationen über wahre Verbrechen. Alles zusammen ergibt die perfekte Kombination.

Sozialarbeit und Krimi-Rätsel haben einiges gemeinsam

Die Liebe für Rätsel und Verbrechen vereinte sie in einem Projekt namens „Wexbridge Case Files“: Krimispiele, die ebenfalls im Etsy-Shop erhältlich sind. Während diese Reihe entstand, wurde aus der Sozialarbeiterin eine Programmiererin. Denn Denise entwickelte eine eigene Software, die in der Lage ist, komplexe Logikrätsel automatisch zu erstellen. Das technische Know-how hat sich die Britin selbst beigebracht: Wenn die Spieleentwicklerin eine Idee hat, die sie nicht umsetzen kann, dann sucht sie nach Quellen, um an das nötige Wissen zu kommen. „Ich lerne unglaublich gern neue Themen kennen – und das Programmieren gehört in den letzten Jahren dazu.“

„In der Sozialarbeit und bei Krimispielen geht es darum, eine Akte mit Dokumenten über das Leben eines Menschen zu lesen und daraus zu rekonstruieren, was tatsächlich passiert ist.“

Trotzdem scheint der Weg von der Sozialarbeiterin zur programmierenden Spieleentwicklerin ungewöhnlich. Doch die beiden Jobs haben einiges gemeinsam, erklärt Denise. „In der Sozialarbeit und bei Krimispielen geht es darum, eine Akte mit Dokumenten über das Leben eines Menschen zu lesen und daraus zu rekonstruieren, was tatsächlich passiert ist.“ Und auch andere Etappen in ihrer Karriere haben etwas mit dem Thema zu tun. Denn neben sozialer Arbeit hat sie auch einen Abschluss in Betriebswirtschaft. „Ich habe schon in verschiedenen Bereichen gearbeitet, unter anderem als Datenanalystin“, sagt sie. Die analytische Denkweise braucht es auch bei Krimispielen.

Mehrere Seiten mit Namen aus dem Spiel „Sarah Killed Me!“ liegen auf dem Tisch.
Sarahs über Sarahs: In „Sarah Killed Me!“ geht es um eine riesige Liste mit Namen. Alle Verdächtigen heißen Sarah, aber haben unterschiedliche Nachnamen.

Während der Entstehung der „Wexbridge Case Files“ erschien auch das Buch „The Killer Isn’t Alice“, ein Hit im englischsprachigen Raum. Denise wurde klar, dass es eine große Nachfrage nach Spielen gibt, bei denen Namen eliminiert werden. „Gleichzeitig erkannte ich, dass das System, das ich bereits entwickelt hatte, genau für diese Art von Rätseln geeignet war.“ Schnell lag die Idee für „Sarah Killed Me!“ auf dem Tisch. Das Besondere: Während andere Spiele dieser Art nur mit Vornamen oder zufälligen Kombinationen aus Vornamen und Nachnamen arbeiten, heißen bei ihr alle Verdächtigen Sarah – und der Spieler muss herausfinden, welche dieser vielen Sarahs die Täterin ist.

So entsteht ein Krimispiel mit Tausenden Namen

Ihr Programm zum Bauen dieser riesigen Rätsel arbeitet von der Lösung aus rückwärts, erklärt Denise. „Zunächst erstellt es das komplette Rätsel und löst es anschließend noch einmal von Grund auf – ausschließlich mit den Hinweisen, die später auch den Spielern zur Verfügung stehen.“ Wenn nach diesem Durchlauf nicht exakt ein Verdächtiger übrig bleibt, wird das gesamte Rätsel verworfen und alles beginnt von vorn. „Außerdem wird jeder einzelne Hinweis überprüft, um sicherzustellen, dass er tatsächlich Verdächtige ausschließt. Dadurch gibt es keine überflüssigen Hinweise.“

Werden solche Krimirätsel mit KI erstellt?

Im Fall von „Sarah Killed Me!“: Nein. Das bedeutet aber nicht, dass Künstliche Intelligenz nicht bei der Entwicklung geholfen hat. Allerdings nicht beim Konstruieren des Rätsels, sagt Denise. Genutzt habe sie KI als Unterstützung beim Programmieren, zum Testen der Software und „als zweites Paar Augen beim Überarbeiten der Texte“. Der Vorteil ihrer Lösung: Ein Sprachmodell aus der KI könne nicht garantieren, dass es am Ende nur eine einzige korrekte Lösung gibt. „Mein Programm hingegen kann genau das sicherstellen.“

Seiten aus „Sarah Killed Me!“ sind mit Textmarkern bearbeitet und einzelne Namen durchgestrichen.
Beim Lösen von Spielen wie „Sarah Killed Me!“ empfiehlt es sich, für verschiedene Hinweise verschiedene Farben zu benutzen, damit man nachvollziehen kann, welchen Verdächtigen man weshalb ausgeschlossen hat.

Tipps zum Lösen: So lassen sich die Krimi-Rätsel knacken

Und wie löst man so ein Rätsel? Denise hat einen Tipp – und bestätigt damit die Strategie, die ich mir bei meinem Test selbst erarbeitet habe. Man sollte nicht einfach Hinweis für Hinweis in der vorgegebenen Reihenfolge abarbeiten. „Stattdessen sollte man zunächst den Hinweis auswählen, mit dem sich die größte Gruppe an Verdächtigen ausschließen lässt“, sagt sie. „Die meisten Fehler entstehen dadurch, dass ein früher Hinweis zu schnell oder ungenau angewendet wird.“ Außerdem sollte man Namen wirklich durchstreichen und nicht versuchen, sie sich zu merken, denn dann kommt man zu schnell durcheinander. „Und wenn nur noch wenige Verdächtige übrig sind, lohnt es sich, jeden einzelnen noch einmal sorgfältig mit allen Hinweisen abzugleichen, bevor man sich festlegt“, sagt sie.

„In einer Welt, die zunehmend von Bildschirmen bestimmt wird, haben ein Stift und ein Blatt Papier noch ihren ganz eigenen Charme.“

Den Erfolg der Krimispiele mit Tausenden Namen sieht Denise vor allem in der außergewöhnlichen Challenge, die sie bieten. Denn mit teilweise mehr als 40.000 Namen wirken solche Rätsel oft erstmal unlösbar. „Ich denke, viele Menschen genießen die Herausforderung, ihr Denkvermögen gegen eine große Zahl von Verdächtigen antreten zu lassen und am Ende beweisen zu können, dass sie die richtige Lösung gefunden haben.“ Die Krimirätsel seien außerdem unkompliziert spielbar. Es wird keine Ausrüstung gebraucht, keine App, keine anderen Mitspieler. Außerdem könne man sich auch mal für ein paar Minuten damit beschäftigen und das Material dann wieder weglegen. „In einer Welt, die zunehmend von Bildschirmen bestimmt wird, haben ein Stift und ein Blatt Papier noch ihren ganz eigenen Charme.“

Mit „Which Sarah?“ geht Denise Harris einen neuen Weg

Auch deshalb entwickelt Denise ihre Spiele weiter und tüftelt an neuen Ideen. Erst Ende Juli hat sie „Which Sarah?“ auf den Markt gebracht – mit einem Konzept, das ich so auch noch nirgendwo gesehen habe. Ein Mann wurde ermordet – und eine Frau namens Sarah Vale ist die Mörderin. Allerdings gibt es dummerweise zwei Frauen mit dem exakt gleichen Namen. Natürlich geht es im Spiel darum, die richtige Täterin zu überführen.

Dafür wird eine Beweisakte mit 40 Dokumenten genutzt. Das Problem: Es ist leider überhaupt nicht klar, welches der Schriftstücke zu welcher Sarah Vale gehört. Die Aufgabe ist es also, jedes Schriftstück entweder der einen oder der anderen Sarah zuzuordnen. Nur dann, wenn der Spieler wirklich versteht, welches Beweisstück zu welcher der beiden Frauen gehört, kann er am Ende die wahre Mörderin finden und überführen.

Das Deckblatt des Spiels „Which Sarah?“ hängt in einem alten Detektivbüro an der Pinnwand.
Mit „Which Sarah?“ hat Denise Harris ein Krimispiel mit einem völlig neuen Konzept auf den Markt gebracht. Herausfordernd, knifflig und definitiv spannend! (Hintergrund: KI)

Drei Monate dauerte es von der Idee bis zum fertigen Spiel – und vor allem in der Logik hinter den Dokumenten steckt viel Arbeit. „Jedes einzelne Beweisstück muss sowohl dann funktionieren, wenn es der einen Sarah zugeordnet wird, als auch dann, wenn es zu der anderen gehört. Das zu überprüfen, war ein sehr zeitaufwendiger Prozess.“

Das Spiel ist neu, anders, faszinierend – und ich durfte es schon testen. Ich hatte aber das Gefühl, dass es sehr schwierig ist – vor allem aufgrund der Tatsache, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Trotzdem habe ich es vollkommen korrekt lösen können. Das zeigt, dass es trotz Sprachbarriere möglich ist. Ich empfehle „Which Sarah?“ allen, die eine echte und neue Challenge suchen und mal etwas anderes ausprobieren wollen. Und wer sich an den Krimispielen mit Tausenden Namen versuchen möchte, dem seien die Spiele von Denella Publishing ebenfalls ans Herz gelegt.

Gibt es bald Krimispiele mit 100.000 Namen?

Bleibt nur eine Frage offen: Wie weit wird der Trend der Eliminierungs-Spiele noch gehen? „Das Genre kann sicherlich noch weiter wachsen, aber ich persönlich bevorzuge Rätsel, bei denen sich jeder einzelne Schritt noch wie echte Detektivarbeit anfühlt“, sagt Denise. Trotzdem dürfte auch sie bei den Eliminierungs-Spielen noch nicht am Ende angekommen sein. Denn die Software, die sie entwickelt hat, ist in der Lage, mit bis zu 100.000 Namen umzugehen, sagt Denise. „Solche großen Zahlen können zwar überwältigend wirken, aber ich weiß, dass genau das viele Spieler reizt.“

Habt ihr schon einmal so ein Krimispiel mit vielen Namen getestet? Würdet ihr euch eine solche Herausforderung zumuten oder ist das eher nichts für euch? Schickt mir eure Meinung per Mail an hallo@puzzle-hamster.de oder über das Kontaktformular. Ich freue mich auf eure Nachrichten.

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