Wer sich gern mit Geschichte auseinandersetzt, findet auf dem Markt viele spannende Rätselspiele, die Aspekte davon beleuchten. Ein Beispiel ist „Homefront Heroes“, ein Spiel von Red Herring Games und Cosykiller aus Großbritannien, das direkt in das England der 40er-Jahre führt. In diesem Spieletest lest ihr, ob sich der Ausflug in die Vergangenheit lohnt.
Wer ein kurzes Puzzleabenteuer für zwischendurch sucht, ist bei den Mini-Boxen von Red Herring Games und Cosykiller an der richtigen Adresse. Zehn Karten im Postkartenformat, zwei gefaltete Flugblätter und eine Lösungskarte bieten hier immerhin 60 bis 90 Minuten Rätselspaß – für einen Preis von 12 Pfund (umgerechnet rund 14 Euro). Vier Spiele hat das Unternehmen bereits auf den Markt gebracht: „Space System Error!“, „Sherlock Holmes and the Return to Baskerville Hall“, „Mission: Rogue Protocol“ und „Homefront Heroes“, um das es hier gehen soll. Lest in meinem Artikel, ob sich die kleine Zeitreise ins Großbritannien der 1940er-Jahre lohnt.
Story: Eine wahre Geschichte, die leider kaum beleuchtet wird
Die eigentliche Geschichte des Mini-Spiels ist schnell erklärt: Der Spieler hat die Aufgabe, verschiedene Rätsel zu lösen, um so an das geheime Passwort für den Schwarzmarkt zu gelangen und sich Zugang zu einem Laden zu verschaffen, in dem illegal mit Lebensmitteln gehandelt wird. Die historischen Hintergründe, über die man im Spiel leider nur wenig erfährt, sind deutlich komplexer: Während des Zweiten Weltkriegs wurden Lebensmittel in Großbritannien rationiert. Um rationierte Lebensmittel kaufen zu können, musste man sich in ausgewählten Läden registrieren lassen und ein Ration Book führen – ein Heft mit Lebensmittelmarken. Die strikte Rationierung ließ den Schwarzmarkt natürlich aufblühen.

Spielmechanik: Kartenspiel ohne viel Internet-Schnickschnack
„Homefront Heroes“ enthält zehn beidseitig bedruckte Karten im Postkartenformat. Auf jeder Karte findet der Spieler dementsprechend zwei Rätsel oder Teile davon. Eine elfte Karte bildet das Ration Book ab – hier werden die Lösungen der einzelnen Rätsel notiert, bis sich am Ende ein Lösungswort ergibt. Weitere Rätselelemente finden sich auf zwei Flugblättern, die dem Spiel beiliegen. Ein gefaltetes Papierblatt enthält außerdem Hinweise zu allen Rätseln. Die Website zum Spiel – sie ist über einen QR-Code im Ration Book erreichbar – muss daher tatsächlich nur zum Prüfen des finalen Lösungswortes aufgerufen werden, was ich bei Spielen generell als sehr angenehm empfinde. Schließlich sollen sie uns alle im besten Fall vom Bildschirm wegbringen und dafür sorgen, dass wir nicht ständig aufs Smartphone glotzen.
Material: Das Rätselspiel ist ein guter Begleiter auf Reisen
Das Material in „Homefront Heroes“ ist sehr einfach gehalten, aber trotzdem hübsch gestaltet und praktikabel. Das kleine Format macht das Spiel außerdem zu einem tollen Begleiter für lange Bahnreisen oder den Urlaub. Auch die Box greift das Thema des Spiels auf. Schade ist allerdings, dass man im Spiel nur wenig über den historischen Hintergrund erfährt. Dadurch erkennt man kaum, dass die Gestaltung bewusst an die Ära der Rationierung angepasst wurde. So findet sich in den Unterlagen zum Beispiel ein Stempel des britischen Ministry of Food, das für die Lebensmittelrationierung zuständig war. Im Netz habe ich Stempel gefunden, offenbar haben die Macher des Spiels also mit echten historischen Vorlagen gearbeitet. Solche Details machen ein Spiel dieser Art für mich lebendig.

Rätsel: Ein buntes Allerlei der unterschiedlichsten Aufgaben
Die Rätsel sind vielfältig: Logik-, Mathe-, Wort- und Kombinationsrätsel finden sich ebenso wie zum Setting passende Aufgaben, bei denen Codes entschlüsselt werden müssen. Allerdings ist alles insgesamt gut lösbar, auch wenn hier und da etwas um die Ecke gedacht werden muss. Der Spruch „Pack small, play big!“ passt hier. Für die Größe des Spiels steckt erstaunlich viel Rätselmaterial in der kleinen Box. Ein weiterer Vorteil: Die Aufgaben müssen nicht linear gelöst werden, sondern können parallel angegangen werden. Gruppen können sich also aufteilen, und Einzelspieler können jederzeit zu einem anderen Rätsel wechseln, wenn ihnen die zündende Idee fehlt.
Fazit: Stabiles Rätselspiel mit viel Abwechslung
„Homefront Heroes“ ist ein schönes Rätselspiel für zwischendurch, das Spaß macht. Der Fokus liegt hier aber ganz klar auf den abwechslungsreichen Aufgaben und weniger auf der Geschichte. Das merkt man auch am Ende des kleinen Abenteuers: Die im Shop zum Spiel angekündigte Entscheidung, sich dem Schwarzmarkt anzuschließen oder die Händler bei der Polizei zu verpfeifen, schlägt sich im Spiel für mich nicht nieder. Auch weiterführende Informationen zu den historischen Hintergründen – man kann sie unter anderem auf Wikipedia nachlesen – würden dem Spiel guttun. Dafür schließt das Spiel mit einem knackigen und witzigen Video ab, in dem der wirklich wunderschöne britische Akzent des Schwarzmarkt-Händlers zum Glück nicht rationiert wurde.

Für wen ist das Rätselspiel „Homefront Heroes“ geeignet?
- Rätsel-Fans, die keine umfangreiche Story brauchen, sondern lieber knobeln.
- Spieler, die ein kleines Abenteuer suchen, für das keine Technik benötigt wird.
- Alle, die sich für historische Settings interessieren.
- Rätsel-Fans, die ein kleines Spiel für eine Bahnreise suchen.
- Ungeeignet für alle, die gern tiefgründige Geschichten erleben.

Bewertung und Infos zu
„Homefront Heroes“
Titel: Homefront Heroes
Anbieter: Red Herring Games, UK
Genre: Abenteuer, History
Sprache: Englisch
Spieldauer: 90 bis 150 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: ab 14
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: 12 Pfund (rund 14 Euro)
Erhältlich bei Red Herring Games & Cosykiller
Gesamtwertung: 4 von 5 Sterne
Urteil: Gutes Spiel!
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