In „Curse of the Pharaoh“ von der Deadbolt Mystery Society bekommt ein klassisches Escape-Room-Thema neuen Schwung: Das Spiel dreht sich um Sarkophage, Hieroglyphen und die Geheimnisse der Pyramiden. Es geht allerdings nicht ins alte Ägypten, sondern ins beschauliche Museum von Valley Falls. Für den Test habe ich mir das Rätselspiel genauer angeschaut.
Immer, wenn ich mit meinen Freunden in einem Escape Room bin, der die ägyptische Geschichte als Thema hat, muss ich diesen einen, furchtbaren Witz machen, auf den ich aufgrund meiner sächsischen Herkunft einfach nicht verzichten kann: „Ägyptisch oder ich schieße!“ Der Satz kam mir auch in den Sinn, als ich mich als Detektiv auf den Weg ins Museum von Valley Falls machte, dem Schauplatz von „Curse of the Pharaoh“, einem Krimispiel aus der Ideenschmiede der amerikanischen Deadbolt Mystery Society. Aber: Ist es überhaupt ein Krimi? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Denn das Spiel beginnt anders als andere Krimis: Es gibt zwar eine Leiche – doch die ist schon seit Tausenden von Jahren tot. Lest hier, ob ich das Geheimnis der Mumie des berühmten Pharaos Echnaton lüften konnte.
Story: Kriminalfall zwischen Sarkophag und Hieroglyphen
Im Museum im beschaulichen Valley Falls ist die Hölle los. Zwischen Dinosaurierskeletten und moderner Kunst hat man gerade einen neuen Bereich eröffnet: „Die Pharaonen von Ägypten“. Das besondere Highlight der Ausstellung ist der Sarkophag des Pharaos Echnaton. Doch seitdem das Schmuckstück im Museum eingetroffen ist, passieren merkwürdige Dinge: Ausstellungsstücke verschwinden und tauchen an anderen Orten wieder auf, Regale fallen um, sogar ein Dinosaurierskelett musste bereits daran glauben. Und als der Fluch der Mumie ohnehin schon allen gehörig auf die Nerven geht, verschwindet auch noch Museumsdirektor Hubert Henderson spurlos. Was ist hier passiert – und welches Geheimnis verschweigt uns Pharao Echnaton?

Spielmechanik: Papiere, Karten und viele QR-Codes
„Curse of the Pharaoh“ setzt auf eine Spielmechanik, die bei allen Spielen der Deadbolt Mystery Society zum Einsatz kommt: In der Schachtel findet der Spieler verschiedene Unterlagen, aus denen sich die Rätsel ergeben. An manchen Stellen befinden sich QR-Codes, hinter denen die Lösungen eingegeben werden können. Bei einer richtigen Antwort gibt es neue Hinweise, zusätzliches Material oder weitere Story-Schnipsel. Dem Spiel liegt außerdem ein Umschlag bei, der erst an einer bestimmten Stelle geöffnet werden darf. Hinweise können jederzeit online abgerufen werden. Soweit das bekannte Prinzip. Trotzdem verfolgt „Curse of the Pharaoh“ einen ganz anderen Ansatz.
Während es bei anderen Kriminalfällen der Deadbolt Mystery Society darum geht, Verdächtige durch das Lösen von Rätseln nach und nach auszuschließen, fällt dieses Element hier komplett weg. Stattdessen lernt man die Mitarbeiter des Museums kennen, hilft ihnen bei ihrer Arbeit und erhält dafür nach und nach weitere Informationen, die sich zu einem größeren Meta-Rätsel zusammenfügen und schließlich dabei helfen, den Mumienfluch aufzuklären. Die gesamte Konstruktion des Abenteuers hat mir ausgesprochen gut gefallen. Mehr möchte ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten, denn die Grenze zwischen Spielmechanik und Spoiler wäre hier eindeutig zu fließend.

Material: Museumsflyer und ägyptische Hieroglyphen
Das Material ist schön gestaltet und fügt sich wunderbar in das Setting des Museums ein. Zum Spiel gehören unter anderem Karten mit Informationen zu den einzelnen Mitarbeitern, aus denen sich die ersten Rätsel ergeben. Außerdem liegen ein Museumsflyer sowie verschiedene Abbildungen des Sarkophags von Pharao Echnaton bei. Weiteres Material erhält man im Laufe des Spiels – sowohl digital als auch physisch. Denn zum Spiel gehört auch ein seltsamer Umschlag, den man erst öffnen darf, wenn das Spiel es befiehlt. Solche Elemente machen es für mich immer besonders spannend, schließlich will ich als Ermittler wissen, was sich darin verbirgt.
Das Design hat mir insgesamt gut gefallen, auch wenn ich sicher bin, dass man an der einen oder anderen Stelle noch etwas hätte nachjustieren können, um dem Spiel den allerletzten Schliff zu geben. Das ist allerdings wirklich Jammern auf sehr hohem Niveau. Ein Element im zweiten Teil meines Spiels war beispielsweise etwas unsauber verarbeitet, was ich schade fand. Auf das eigentliche Spielerlebnis hatte das allerdings keinerlei Einfluss.
Rätsel: Am Ende gibt es im Museum eine richtig harte Nuss
Die Rätsel in „Curse of the Pharaoh“ sind großartig und zugleich etwas mysteriös. Denn eigentlich müssten sie sich brutal aufgesetzt anfühlen, allerdings passen sie ins Setting des Museums verbunden mit der ägyptischen Kultur einfach erstklassig. Sie sind weder zu schwer, noch zu leicht, und machen Spaß. Auch hier will ich nochmal auf die gesamte Konstruktion des Falles hinweisen. Vom ersten kleinen Rätsel über das zentrale Meta-Puzzle bis hin zum Finale finde ich die Dramaturgie außerordentlich gelungen. Dazu trägt im Übrigen auch die Geschichte bei. Ganz am Ende wartet allerdings noch eine richtig harte Nuss, die zumindest mir den Schweiß auf die Stirn getrieben hat.

Der Vollständigkeit halber: Es gibt in „Curse of the Pharaoh“ klassische Logikrätsel, geheime Codes und etwas Mathematik. Man muss sehr genau lesen, gefundene Informationen clever miteinander verknüpfen – und ein wenig Deduktion gehört am Ende doch noch dazu. Besonders spannend finde ich, dass viele Rätsel auf Mechaniken zurückgreifen, die ich aus anderen Spielen bereits kannte. Sie sind jedoch so gut in das Setting eingebettet, dass sich trotzdem alles frisch und neu anfühlt, auch wenn man manche der Dinge schon etliche Male gesehen hat.
Fazit: Das Rätselspiel fühlt sich angenehm anders an
Ich habe inzwischen einige Fälle der Deadbolt Mystery Society gespielt – und es passiert nur noch selten, dass mich ein Spiel wirklich überrascht. Oft sind es die clevere Dramaturgie und der Aufbau, die ein neues Erlebnis schaffen und mich um den Finger wickeln. Und genau das ist bei „Curse of the Pharaoh“ passiert. Würde ich ein Ranking aller bisher von mir gespielten DMS-Fälle erstellen, würde sich „Curse of the Pharaoh“ definitiv im oberen Bereich wiederfinden. Und das, obwohl ich eigentlich gar kein großer Fan von Ägypten-Settings bin. Dieses Abenteuer fühlt sich angenehm anders an.

Ergänzende Anmerkungen zum Rätselspiel „Curse of the Pharaoh“
Die erfreuliche Nachricht für alle, die „Curse of the Pharaoh“ jetzt ausprobieren möchten: Das Spiel ist zwar als gedruckte Ausgabe nicht mehr so leicht und vor allem gebraucht erhältlich, kann aber im Etsy-Shop der Deadbolt Mystery Society heruntergeladen werden. Ob ihr es anschließend ausdruckt oder beispielsweise auf einem Tablet spielt, bleibt euch überlassen. Der reguläre Preis liegt bei rund 15 Euro. Mit etwas Geduld lässt sich Geld sparen, denn die Print-and-Play-Spiele werden regelmäßig reduziert.
Für wen ist „Curse of the Pharaoh“ geeignet?
- Spieler, die spannende Storys mögen.
- Rätsel-Fans, die bereit sind, sich an Aufgaben festzubeißen.
- Alle, die auch „Was ist was: Das alte Ägypten“ im Schrank haben
- Deadbolt-Fans, die man wieder eine neue Spiele-Dramaturgie sehen wollen.
- Nicht geeignet für Spieler, die mit Hieroglyphen und Co. nichts anfangen können.

Bewertung und Infos zu
„Curse of the Pharaoh“
Titel: Curse of the Pharaoh
Anbieter: Deadbolt Mystery Society, USA
Genre: Krimi, Abenteuer
Sprache: Englisch
Spieldauer: 60 bis 120 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Spielerzahl: 1 – 4
Preis: 16,32 Euro
Erhältlich im Etsy-Shop der DMS
Gesamtwertung: 4,7 von 5 Sterne
Urteil: Großartig!
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