„The Secret of Easthaven Forest“ ist einer der größeren Kriminalfälle der Deadbolt Mystery Society – und er hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Veröffentlicht wurde er im Februar 2020, also im dritten Jahr der Society. In diesem Review erfahrt ihr, wie mir das gruselige Rätselspiel gefallen hat, ob sich das Abenteuer im dunklen Wald lohnt und wie ihr rankommt, obwohl es das Spiel nicht mehr gibt.
Wenn ich an einem freien Tag Lust habe, ein gutes Spiel zu spielen, aber nicht zu lange damit zu verbringen, dann ist die Deadbolt Mystery Society immer eine sichere Bank. Das Unternehmen aus Amerika bringt Krimispiele und Rätselspiele im Abo auf den Markt, verschickt einmal monatlich große Fälle und überrascht immer wieder mit neuen Rätseln, neuen Geschichten und neuen Dramaturgien.
Dieses Mal habe ich mir mit „The Secret of Easthaven Forest“ einen etwas älteren Fall angeschaut. Eine Gruselgeschichte, bei der die Vampirzähne aus Plastik in der Box gleich mitgeliefert werden. Aber: Erwartet uns ein Krimi, eine Monster-Story oder Teil 15 der „Twilight“-Reihe? Ich habe ermittelt und verrate euch hier, warum mir das Spiel ziemlich gut gefallen hat und wie ihr an das längst vergriffene Abenteuer ganz einfach herankommen könnt.
Story: Das Spiel beginnt wie ein Gruselbuch für Kinder
Die Geschichte beginnt etwas wie eine Story aus der Welt der „Gänsehaut“-Romane: Vier Kinder sind im Wald unterwegs, weil sie der Legende eines Monsters namens „Red Fang“ auf den Grund gehen wollen. In den Wäldern von Easthaven soll diese Gestalt schon lange ihr Unwesen treiben, mehrfach wurden in der Vergangenheit Menschen getötet, die Körper offenbar von einem großen Tier förmlich zerrissen.
Als die Kids im Busch unterwegs sind, treffen sie auf einen gruseligen Mann, der gerade dabei ist, eine Leiche zu entsorgen. Sie fliehen auf ihren Fahrrädern, radeln natürlich sofort zur Polizei – und die gibt den Fall direkt an uns weiter. Wer ist der neueste Tote, welche Geheimnisse hatte er? Und gibt es wirklich ein Monster in den Wäldern?

Spielmechanik: Viele Dokumente und reichlich QR-Codes
Wer die Spiele der Deadbolt Mystery Society (z. B. „Curse of the Pharaoh“) kennt, der weiß: Das Unternehmen liefert in seinen Boxen zahlreiche Dokumente, in denen sich die Rätsel verstecken. Sie sind teilweise mit QR-Codes versehen. Scannt man diese ein, landet man auf Webseiten, wo man die Lösungen verschiedener Aufgaben eingeben kann. Ist die Antwort richtig, wird neues Spielmaterial, ein weiterer Teil der Story oder ein Hinweis auf ein anderes Rätsel freigeschaltet. „The Secret of Easthaven Forest“ spielt umfangreich mit dieser Mechanik – ich habe im Spiel insgesamt zehn QR-Codes gefunden. Hier gibt es also einiges an Online-Material, das man während des Spielens freischalten muss.
Spannend an „The Secret of Easthaven Forest“: Es gibt KEINE Umschläge und KEINE verschlossenen Dokumente. Hier kommt alles auf den Tisch. Am Anfang muss man also ordentlich sichten, um sich einen Überblick zu verschaffen – und alles wirkt sofort wie ein Durcheinander aus Aufgaben, die zu erledigen sind. Kurz macht sich bei mir Überforderung breit, aber schnell lichten sich die Wolken. Am Anfang ist es das Ziel der Rätsel, alles zu erkunden, dabei Informationen freizuschalten und zu sammeln. Im zweiten Teil rückt dann das Thema Deduktion in den Vordergrund und das Spiel bekommt Detektiv-Vibes.

Material: Man merkt, dass das Spiel schon etwas älter ist
Das Spielmaterial bei „The Secret of Easthaven Forest“ ist wie immer super gemacht, allerdings merkt man an Design-Feinheiten auch, dass das Spiel schon etwas älter ist, denn die neueren Fälle der DMS lassen oft eine grafische Linie erkennen, die sich durch das gesamte Spiel zieht. Das Material besteht hauptsächlich aus Pappkarten und einzelnen Dokumenten aus Papier. Der physischen Variante liegen auch ein kleines Armband und Vampirzähne aus Plastik bei. Heute gibt es das Spiel allerdings nur noch als Download – ich schätze, dass diese Gegenstände in Form von Fotos ins Spiel eingebunden sind. Bei den Vampirzähnen habe ich eine kleine Design-Mäkelei: Das Monster im Wald heißt „Red Fang“, die Zähne sind aber grün. Habe ich nicht verstanden, ist aber Jammern auf hohem Niveau.

Rätsel: Es gibt Aha-Effekte und Facepalm-Momente
Die Rätsel sind abwechslungsreich und haben auch mich als Rätsel-Profi an der einen oder anderen Stelle zum Grübeln gebracht. Allerdings weniger, weil sie an sich schwer waren. Manchmal fällt es meinem Gehirn schwer, Dinge miteinander in Verbindung zu bringen. Eines der vermutlich einfachsten Rätsel habe ich deshalb ganz zum Schluss gelöst, weil ich den Zusammenhang zwischen zwei Dokumenten einfach nicht kapiert habe – klassischer Facepalm-Moment.
Wie immer bei der Deadbolt Mystery Society gibt es auch bei „The Secret of Easthaven Forest“ reichlich Codes zu knacken und Botschaften zu entschlüsseln. Manche Aufgaben wirken dabei ziemlich aufgesetzt und „puzzly“, aber im Kontext der Story ergibt das durchaus einen Sinn. Im Spiel muss übrigens auch aufmerksam gelesen werden, damit man den mysteriösen Fall aus den Wäldern wirklich lösen kann. Ich würde die Schwierigkeit als mittel bezeichnen. Hinweise lassen sich online ohne Probleme abrufen.
Fazit: „The Secret of Easthaven Forest“ überzeugt bis zum Ende
Gute Rätsel, gutes Material, spannende Geschichte: „The Secret of Easthaven Forest“ ist wieder eines dieser Spiele der DMS, die zeigen, warum sich das Unternehmen so lange halten kann. Selbst wenn es hier und da mal Schwächen gibt, ist das Gesamtwerk irgendwie immer gut und bietet eine bis zwei Stunden gute Unterhaltung. Mir hat hier auch die Story gut gefallen. Denn bei Geschichten, die sich um gruselige Legenden in einer kleinen Stadt drehen, lernt man oft schnell: Diese Stadt hat ihre Geheimnisse … und vielleicht auch noch ganz andere Probleme. Es macht Spaß, sich von Aufgabe zu Aufgabe durch die Welt von „Red Fang“ zu hangeln, dem Grusel auf die Spur zu kommen, den Fall zu lösen – und dann trotzdem ein Story-Ende zu erleben, das mir zumindest kurz eine Gänsehaut beschert hat.

Ergänzende Anmerkungen: Auf Vampirzähne müsst ihr verzichten
„The Secret of Easthaven Forest“ findet man sicherlich noch gebraucht, aber offiziell wird das Spiel in der physischen Form nicht mehr verkauft. Auch hier können Puzzle-Fans aus Deutschland aber im Etsy-Shop der Society zuschlagen, denn Spiele, die sich gut in eine downloadbare PDF übersetzen lassen, werden hier für günstiges Geld angeboten. Man kann sich auch „The Secret of Easthaven Forest“ ausdrucken oder direkt auf einem Tablet spielen – jeder, wie er mag.
Nur auf die Vampirzähne müsst ihr leider verzichten. Aber lasst euch trösten: Zum einen spielen sie im Abenteuer keine wirklich große Rolle, sondern sind eher Story-Fluff. Zum anderen: Für die meisten Erwachsenen-Gebisse sind die eh zu klein. Also, ich habe sie natürlich nicht anprobiert … aber … also ich würde ja nie … ach, egal.
Für wen ist „The Secret of Easthaven Forest“ geeignet?
- Spieler, die gern gruselige und mysteriöse Settings mögen.
- Rätsel-Fans, die die klassischen Mechaniken der Deadbolt Mystery Society lieben.
- Alle, die in ihrer Jugend gern „Gänsehaut“-Bücher gelesen haben.
- Spieler, die gern Codes knacken und versteckte Botschaften entschlüsseln.
- Nicht geeignet für alle, die auch nach dem Spielen noch im Wald spazieren gehen wollen.

Bewertung und Infos zu
„The Secret of Easthaven Forest“
Titel: The Secret of Easthaven Forest
Anbieter: Deadbolt Mystery Society
Genre: Krimi, Mystery
Sprache: Englisch
Spieldauer: 60 bis 90 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: rund 16 Euro
Erhältlich im Etsy-Shop von DMS
Gesamtwertung: 4,4
Urteil: Sehr gutes Spiel!
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