Kann man Märchen und Krimis miteinander kombinieren? Die Society of Curiosities aus den USA hat es mit der Reihe „The Fairy Tale Files“ versucht und vier Krimispiele auf den Markt gebracht, bei denen Verbrechen im Märchenland aufgeklärt werden müssen. Dieser Test dreht sich um den ersten Fall der Serie: Lohnt sich das Rätselspiel „The Cinderella Murders“?
Es war einmal … ein Mord! Mit diesen Worten beginnt „The Cinderella Murders“, eine von vier Episoden aus der Reihe „The Fairy Tale Files“. Das kanadische Spieleunternehmen Society of Curiosities mit Sitz in Hawaii zeigt damit, dass Märchen nicht immer etwas für Kinder sind. Und dass es für ein zünftiges Krimispiel nicht immer finstere Gassen braucht. Zur Serie gehören vier Fälle: „The Curious Case of the Poisoned Apples“, „Sweet Witch Inferno“, „Who Framed Mr. Wolfe?“ und „The Cinderella Murders“. Auch letzteres spielt direkt im Märchenland – zwischen Schlosspark, gruseligem Wald und Mrs. Follys Knopfladen. Lest hier, was den Fall so bezaubernd macht.
Story: Stiefmutter und Stiefschwester liegen tot im Schlossgarten
Im Märchenland herrscht helle Aufregung. Der Grund: Zwei Tage vor der Hochzeit von Cinderella und Prince Charming werden Cinderellas Stiefmutter und eine ihrer Stiefschwestern ermordet im Schlosspark aufgefunden. Beide wurden erstochen – und zwar mit einem Stöckelschuh aus Glas. War es Cinderella, die sich damit dafür rächen wollte, dass sie jahrelang schlecht behandelt wurde? Oder der Prinz, der seiner Angebeteten das schönste Hochzeitsgeschenk aller Zeiten machen wollte? Vielleicht hat aber auch die andere Stiefschwester etwas damit zu tun.
Fakt ist: Der Fall muss aufgeklärt werden! Dafür zuständig ist die Magical Mishaps Agency, eine Detektei, bei der der Spieler in „The Cinderella Murders“ anheuert. Gemeinsam mit Agenturmitarbeiter Maximilian LeFloof macht er sich auf die Suche nach dem Killer oder der Killerin und muss dabei im Märchenland jeden Stein umdrehen. Der Auftrag und das Ziel sind klar. „Ob es ein glückliches Ende gibt, hängt ganz von dir ab“, sagt die Erzählerin zu Beginn des Spiels.

Spielmechanik: Kombination aus Chat und Rätseldokumenten
Bei „The Cinderella Murders“ kommt – wie auch bei den anderen Spielen der Society of Curiosities – eine tolle Spielmechanik zum Einsatz: Die Spiele der Society werden über einen Online-Chat gespielt, in dem während des gesamten Abenteuers Kontakt mit einer Figur aus der Spielwelt gehalten wird. In diesem Fall ist es der besagte Maximilian LeFloof. Er leitet die Ermittlungen, während man ihm als Spieler zuarbeitet. Nach dem Lösen der Rätsel schickt man ihm die Antworten und erfährt von ihm die nächsten Schritte. Hat man beispielsweise ein Beweisstück entdeckt, das auf einen bestimmten Ort verweist, begibt sich Maximilian dorthin und berichtet, was es dort zu finden gibt. Häufig schickt er Fotos seiner Fundstücke zurück, die anschließend beim Lösen der nächsten Rätsel helfen. Hier können außerdem Hinweise abgerufen werden, sollte man einmal nicht weiterkommen.
Natürlich handelt es sich um einen Chatbot. Doch der ist erstklassig programmiert. Selten hat mir ein Spiel so überzeugend vermittelt, dass ich tatsächlich mit einem Ermittler kommuniziere und wir gemeinsam an einem Fall arbeiten. Dieses System gehört zu den absoluten Stärken der Society of Curiosities: Auch in anderen Spielen wie „Madok’s Lost Treasure“ kann der Online-Chat überzeugen. Aber natürlich gehören zu dem märchenhaften Krimispiel auch zahlreiche Komponenten aus Papier.

Material: In „The Cinderella Murders“ steckt sehr viel Liebe
Im Umschlag finden sich unter anderem mehrere Karten mit Beschreibungen der Verdächtigen, eine Zeichnung des Tatorts und die Titelseite der aktuellen Zeitung aus dem Märchenland, in der über den Doppelmord im Schlosspark berichtet wird. Außerdem liegen mehrere Karten mit Schauplätzen bei, die nicht sofort angeschaut werden dürfen. Sie gewinnen erst im Laufe des Spiels an Bedeutung, wenn man sich die entsprechenden Orte nach und nach freigespielt hat. Ein mit einem Wachssiegel versiegelter Brief von Maximilian LeFloof dient als Einstieg in das Abenteuer.
Das gedruckte Spielmaterial ist ein echtes Highlight. Es ist liebevoll gestaltet und fügt sich perfekt in die Märchenwelt ein – vor allem die zauberhaften Zeichnungen und die Auswahl der Schriftarten überzeugen. Es sind genau diese Details, die zeigen, dass hier echte Design-Experten am Werk waren. Aber auch die digitalen Komponenten ergänzen das Bild perfekt. Intro und Outro werden in Form von Audios präsentiert, die vor allem eine Frage aufwerfen: Kann man eine perfektere Sprecherin für ein Märchenspiel auswählen? Eigentlich nicht.
Rätsel: Am Ende braucht es einen guten Ermittler
Auf die Rätsel blicke ich bei „The Cinderella Murders“ leider mit gemischten Gefühlen. Die meisten sind kreativ gestaltet und fügen sich perfekt in die Märchenwelt ein. Die Schwierigkeit der einzelnen Aufgaben ist durchaus unterschiedlich, was für Abwechslung sorgt. Besonders gut gefallen hat mir das Eröffnungsrätsel, mit dem nach der Besichtigung des Tatorts das eigentliche Spiel beginnt. Dabei wird ein Objekt aus dem Umschlag verwendet, das ich besonders mochte, weil es so liebevoll gestaltet ist.
An zwei Stellen hatte ich im Verlauf des Abenteuers, das natürlich auf Englisch gespielt wird, allerdings sprachliche Probleme. Einmal wusste ich zwar grob, was gemeint war, doch mir fehlte die richtige Vokabel für den entscheidenden Geistesblitz. An einer anderen Stelle ließ mein Gespür für die Interpretation der englischen Sprache leider zu wünschen übrig. Am Ende braucht es außerdem noch einmal gute Ermittlungsfähigkeiten, um dem Täter oder der Täterin wirklich auf die Spur zu kommen. Auch hier zeigt sich, dass die Altersempfehlung von zwölf Jahren durchaus passt – und das Spiel trotz der niedlichen Gestaltung nichts für kleinere Kinder ist.

Fazit: „The Cinderella Murders“ ist ein magischer Krimi
„The Cinderella Murders“ gehört – wie auch die anderen Spiele aus den „Fairy Tale Files“ – zu jenen Rätselspielen, für die das englische Wörtchen whimsical erfunden wurde. Alles ist schön, alles ist irgendwie magisch, alles ist farbenfroh und macht gute Laune – und das, obwohl zwei Frauen mit einem Glasschuh ermordet wurden. Das muss man als Spieledesigner auch erst einmal schaffen! Auch wenn ich bei den Rätseln hier und da sprachliche Schwierigkeiten hatte, habe ich den Ausflug in die Märchenwelt sehr genossen. Und ich freue mich, dass es dank meiner hervorragenden detektivischen Fähigkeiten ein Happy End gibt. Für wen? Das müsst ihr schon selbst herausfinden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann rätseln sie noch heute …

Ergänzende Anmerkungen: Die „Fairy Tale Files“ sind praktisch
Die Society of Curiosities liefert auch nach Deutschland. Dank des Mini-Formats der Umschläge fallen dabei keine allzu hohen Versandkosten an, wie es bei größeren Spieleboxen leider oft der Fall ist. Für einen Ausflug in die Märchenwelt empfehle ich das Vierer-Set mit allen „Fairy Tale Files“. Es kostet im Shop der Society of Curiosities nur 79 statt 88 US-Dollar – und der Versand ist mit rund 10 US-Dollar genauso teuer wie bei einer Einzelbestellung.
Für wen ist das Rätselspiel „The Cinderella Murders“ geeignet?
- Spieler, die sich für märchenhafte Settings begeistern können.
- Krimi-Fans, die nach etwas anderen Krimispielen suchen.
- Rätsel-Fans, die das Märchenland mal anders kennenlernen wollen.
- Alle, die mal ihre Fähigkeiten als Ermittler testen wollen.
- Nicht geeignet für kleine Kinder, trotz des märchenhaften Designs.

Bewertung und Infos zu
„The Cinderella Murders“
Titel: The Cinderella Murders
Anbieter: Society of Curiosities, USA
Genre: Krimi, Fantasy, Märchen
Sprache: Englisch
Spieldauer: 60 bis 90 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Spielerzahl: 1 bis 4
Preis: 22 US-Dollar (rund 19 Euro)
Erhältlich bei der Society of Curiosities
Gesamtwertung: 4,3 von 5 Sterne
Urteil: Sehr gutes Spiel!
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