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Die beiden Bücher „Tochter Anna ist nicht die Mörderin“ und „Die Mörderin ist nicht Sarah“ liegen auf einem Tisch.

Krimispiele mit 40.000 Namen: Der neue Rätsel-Trend im großen Test

Krimispiele mit Tausenden Namen gehören derzeit zu den ungewöhnlichsten Rätsel-Trends überhaupt. Statt Hinweise aus einer klassischen Ermittlungsakte auszuwerten, streicht man nach und nach Namen von einer riesigen Liste, bis nur noch der Täter übrig bleibt. Ich habe Bücher von Amazon und Downloads von Etsy ausprobiert und getestet, wie viel Spaß diese Krimirätsel wirklich machen.


Als ich noch ein kleiner Junge war, interessierte ich mich schon für Rätsel und alles, was damit zu tun hatte. Ich wollte deshalb ein Spiel immer besonders gern haben: „Wer ist es?“. Als „Guess Who?“ kam es 1982 in Amerika auf den Markt, später eroberte es auch Deutschland. Zwei Spieler sitzen sich gegenüber, vor sich kleine Spieltafeln mit 24 Bildern von Personen, die man herunterklappen kann. Jeder legt eine Person fest, die der jeweils andere erraten muss. Die Spieler stellen sich Fragen: „Hat die Person eine Brille?“ „Ist die Person blond?“ „Ist es ein Mann?“ Nach und nach werden Personen ausgeschlossen und heruntergeklappt. Wer zuerst die Figur des Gegners errät, hat gewonnen.

Wir hatten das Spiel in dem Schulhort, in den ich ging, und ich liebte es. Doch ich selbst hatte es leider nie. Auch jetzt steht es noch nicht in meiner Spielesammlung, obwohl man sich ja als Erwachsener bekanntlich alles kaufen kann, ohne vorher die Eltern fragen zu müssen. Doch das ist nicht schlimm, denn jetzt gibt’s etwas viel Besseres: Krimirätsel, bei denen aus Namenslisten nach und nach Namen gestrichen werden müssen, bis nur ein einziger übrig bleibt.

Quasi „Wer ist es?“ für Erwachsene mit richtig viel Zeit. Denn hier geht es nicht um 24 Namen, sondern um – bitte festhalten – Zehntausende. Auf Amazon werden Bücher verkauft, die nur mit Namen gefüllt sind, mehr als 40.000 sind es in vielen Fällen. Ein Krimispiel wie ein Telefonbuch. Und bevor jemand fragt: Ja, auch ich habe mir zu Beginn sofort drei Fragen gestellt. Soll das Spaß machen? Wie viel Langeweile muss man haben? Und: Haben die eigentlich eine Macke?

Wie funktionieren Krimispiele mit Tausenden Namen?

Das Prinzip: Zur Namensliste gibt es eine kurze Story und mehrere Hinweise. Sie reichen von „Die gesuchte Person ist ein Mann“ über „Der Vorname beginnt mit A“ bis hin zu „Im Nachnamen der Person kommen zwei Vokale vor“. Nach und nach muss man sich jeden Hinweis vornehmen und Namen streichen, die ausgeschlossen werden können.

Schon die reine Mathematik dahinter ist auf den ersten Blick Wahnsinn. Gehen wir mal davon aus, dass die Hälfte der Namen in einem Buch Frauen wären und die andere Hälfte Männer. Beim Hinweis „Der Täter ist ein Mann“ müssen wir nun also alle Frauennamen streichen. Das wären bei einem Buch mit 40.000 Namen etwa 20.000. Das heißt: 20.000 Mal die gleiche Bewegung mit dem Stift machen. Wenn jedes Streichen nur eine Sekunde dauert, ist man allein damit fünfeinhalb Stunden beschäftigt. Und da ist noch nicht einmal eine Toilettenpause eingerechnet.

Sollte man sich für diese Rätselspiele einen Eimer neben den Schreibtisch stellen? Nein, der erste Eindruck gibt die Idee dieser Rätsel nicht richtig wieder. Beim Testen ist mir nämlich aufgefallen, dass es keinesfalls darum geht, nur stumpf Namen zu streichen. Hier sind auch Kombinationsgabe und Strategie gefragt.

Das Buch „Die Mörderin ist nicht Sarah“ liegt aufgeschlagen auf dem Tisch.
Das Buch „Die Mörderin ist nicht Sarah“ enthält eine mehr als 100 Seiten lange Liste an Vornamen. Hier braucht es ein cleveres System, um den Mörder zu finden.

Woher kommen die Krimispiele mit 40.000 Namen?

Als Ursprung des aktuellen Trends gilt das Buch „The Killer Isn’t Alice“ von Iris Starling, das im Februar 2026 erschien. Im englischsprachigen Raum wurde es ein Hit, im August kommt es erstmals auch in Deutschland in die Läden. Starling – hinter dem Namen versteckt sich laut Berichten übrigens ein Paar aus Großbritannien – bezeichnet die Idee auf ihrer Website als „völlig neuartiges Krimi-Rätselkonzept“. Im Buch geht es um sagenhafte 46.600 Namen, von denen nur einer der Richtige ist. Welcher? Das müssen die Leser herausfinden.

Zumindest in Deutschland waren bei der Rätselidee die Nachahmer schneller: Etliche solcher Bücher gibt es etwa auf Amazon, allein im Juni und Juli 2026 habe ich mehr als 10 Neuerscheinungen gezählt. Hinzu kommen zahlreiche Versionen, die man etwa beim Verkaufsportal Etsy zum Download erwerben kann. Bei Gesprächen darüber hörte ich sogar von Freunden, die mit dem Thema Rätsel eigentlich nicht viel am Hut haben, dass sie ständig entsprechende Angebote für solche Bücher angezeigt bekommen. In einem anderen Artikel beleuchte ich, wie genau die Krimirätsel gemacht werden. Hier geht es ans Testen: Ich habe mir mal vollkommen zufällig zwei gedruckte Bücher von Amazon und zwei Download-Varianten bei Etsy gekauft. Können diese extremen Rätselspiele wirklich Spaß machen?

Krimispiele mit Tausenden Namen: Diese habe ich getestet

  • Tochter Anna ist nicht die Mörderin: Buch von Amazon, 41.287 Namen, 15,99 Euro
  • The Killer is not Emily: PDF zum Download bei Etsy, 20.000 Namen, 5,95 Euro
  • Die Mörderin ist nicht Sarah: Buch bei Amazon, 40.000 Namen, 13,08 Euro
  • Sarah Killed Me: PDF zum Download bei Etsy, 1960 Namen, 2,89 Euro

„Tochter Anna ist nicht die Mörderin“: Krimirätsel mit 41.287 Namen

Als ich den Rätsel-Trend ausprobieren will, bestelle ich mir zuerst wahllos eines der Bücher bei Amazon. Die Cover sehen sich alle ähnlich, ich greife mit „Tochter Anna ist nicht die Mörderin“ zu einem Buch von einer Autorin namens Martina Fisher, über die ich trotz ausführlicher Google-Recherche leider nicht viel herausfinden kann. Gedruckt wird das 15,99 Euro teure Buch per Print-on-Demand in Polen. Nach ein paar Tagen liegt es bei mir im Briefkasten. Drinnen erwarten mich eine kurze Story und eine Mini-Anleitung, bevor mich der Inhalt des Buches förmlich erschlägt.

Die Geschichte dreht sich um die 67 Jahre alte Elisabeth Berger, die tot in ihrem Haus aufgefunden wurde. Die Hauptverdächtige ist ihre Tochter Anna. Doch Annas Bruder Paul hat Zweifel. Er erhält plötzlich einen Brief von seiner Schwester aus dem Knast, darin 15 Beweisstücke und ein Register mit 41.287 Namen. Die stehen im Buch. Und zwar hintereinanderweg, mit Kommas getrennt. Martin Keller, Sabine Vogel, Andreas Koch, Claudia Richter, Frank Lehmann. Am Anfang sieht es noch witzig aus, doch je weiter man blättert, desto absurder wird es.

Seitenweise heißen Leute mit Nachnamen Kaiser, Vogel, Sommer, Schneider und Weber. Weiter hinten kommen dann Ingwersen, Mewissenbeg und Lehnertmann, so, als hätte man im Laufe der Seiten kreativer werden müssen. Teilweise laufen die Namen über die Seitenränder oder sind wirr gelayoutet. Und als mein Gehirn beim wahllosen Durchblättern versucht, die Aufgabe des Buches zu erfassen, macht sich vor allem ein Gefühl breit: Verzweiflung.

Das aufgeschlagene Buch „Tochter Anna ist nicht die Mörderin“ liegt auf einem Schreibtisch.
Im Inneren von „Tochter Anna ist nicht die Mörderin“ findet der Leser eine riesige Namensliste. Das Layout ergibt an vielen Stellen nicht wirklich einen Sinn und sehr schnell scheinen sich die Namen zu wiederholen.

Doch zum Glück gibt es Hinweise. 15 sollen es laut Anleitung sein. Ich beschließe, mir einfach erstmal alle rauszuschreiben, denn sie sind überall im Buch verteilt. Am Ende finde ich sogar 17 Hinweise. Nett! Der letzte fasst allerdings auch alle anderen zusammen und präsentiert die bisherigen Erkenntnisse in Form eines Namens mit Lücken. Ich schaue drauf und erkenne sofort, wie der Täter heißen muss. Keinen einzelnen Namen habe ich streichen müssen, der 17. Hinweis und ein wenig Sachverstand im Bereich deutscher Namen haben mir die Lösung verraten. Das Rätsel mit den 41.287 Namen ist gelöst. In wenigen Minuten.

Macht mich das glücklich? Natürlich nicht, das Ding ist für mich die reinste Enttäuschung! Bin ich trotzdem erleichtert? Ja, meine Güte, und wie! Denn wer in diesem Buch wirklich und wahrhaftig Namen streichen will, hat eine Lebensaufgabe vor sich. Ob die Abkürzung, die ich genommen habe, nun ein Fehler meinerseits war? Wie man überhaupt auf so eine Idee kommt? Wie das Buch entstanden ist – und welche Rolle KI dabei gespielt hat? Ich hätte es gern gewusst und habe Fragen an eine im Buch angegebene Mailadresse geschickt. Doch ich habe bis zur Veröffentlichung dieses Artikels keine Antwort bekommen.

Übrigens: Wer das Buch in vermutlich wochenlanger Arbeit per Hand löst, wird dann nicht einmal belohnt. Denn auf der letzten Seite findet sich zwar die Lösung, wie die Geschichte ausgeht, wird aber verschwiegen. Vielleicht muss man das aber auch gar nicht erfahren. Vielleicht ergibt sich das Ende der Story sowieso von selbst. Denn ich sage es mal so: Wenn ich Paul wäre und meine Schwester mir aus dem Gefängnis so eine Aufgabe schicken würde … ich würde sie zur Strafe vermutlich dort versauern lassen.

Alle Infos zum Buch „Tochter Anna ist nicht die Mörderin“

Titel: Tochter Anna ist nicht die Mörderin
Autor: Martina Fisher (laut Produktseite)
Herausgeber: ‎ Independently published
Seiten: 235
Sprache: Deutsch
Anzahl der Namen: 41.287
Preis: 15,99 Euro bei Amazon


„The Killer is not Emily“: Krimirätsel mit 20.000 Namen zum Download

Trotz Enttäuschung will ich nicht aufgeben, schließlich bin ich ja noch immer großer Fan von „Wer ist es?“. Weil ich keine Lust habe, auf ein neues Buch zu warten und weiß, dass das Thema auch bei Etsy weit verbreitet ist, logge ich mich ein und kaufe mir „The Killer is not Emily“. Erstes Aufatmen: In dieser PDF gibt es nur 20.000 Namen auf 100 Seiten zu untersuchen – und es sind nur Vornamen. Auch hier reihen sie sich ohne Pause aneinander: „Agne Jamison Aodhan Alanna Wilson Braulio Nabeela Duane Fercho Tahnee …“ Ich könnte ewig so weitermachen, und zwar noch exakt 19.990 Mal. Zu den Namen gibt es zehn Hinweise, die auf das Buch angewendet werden müssen.

Unser Opfer heißt dieses Mal Sarah und wurde in der Uni-Bibliothek erstochen. Ihre Freundin Emily hat sie gefunden, sie hat aber zum Glück ein Alibi. Die Uni stellt die Liste mit den Namen aller Studenten und Mitarbeiter zur Verfügung – und die Polizei entdeckt bei den Ermittlungen nach und nach Hinweise auf den richtigen Namen des Täters oder der Täterin. Ich starte also voller Freude in die Ermittlungen und erstelle mir eine Namensliste in Word, aus der ich Namen streichen kann. Dann lerne ich bei „The Killer is not Emily“ erstmals, worin bei den Namens-Spielen eigentlich die Aufgabe bestehen kann, wenn sie clever gemacht sind.

Ein Auszug aus einer Wort-Datei mit sehr vielen unterschiedlichen Vornamen.
Es tut mir Leid, ich habe „The Killer is not Emily“ digital gespielt, deshalb kann ich euch zu Illustrationszwecken nur diesen Auszug meiner Word-Datei anbieten.

Es geht nämlich nicht um das stumpfe Streichen. Wichtig ist es vor allem, die Hinweise richtig zu interpretieren und auf sinnvolle Weise anzuwenden, um schneller zu einem Ergebnis zu kommen. Bevor ich das aber kapiere, renne ich fünfmal in Sackgassen. Ein Beispiel: Wenn ein Hinweis besagt, dass der gesuchte Name kein A enthält, kann man natürlich schnell alle Namen mit diesem Buchstaben von der Liste streichen. Ein paar Hinweise später heißt es dann aber: „Der gesuchte Name findet sich auf einer Seite, auf der sich auch eine Frau namens Sabine findet.“ Hat man alle Namen mit einem A gestrichen, ist auch Sabine nicht mehr da – und die Ermittlungen laufen ins Leere. Mehr als einmal habe ich bei dem Spiel, wenn ich der Lösung gefühlt ganz nah war, IN DIE VERFLUCHTE TISCHKANTE GEBISSEN.

Es gilt also, alle Hinweise gründlich zu lesen und daraus eine Strategie zu entwickeln, mit der man die Anzahl der Namen schnell maximal reduzieren kann. Im Fall von „The Killer is not Emily“ ist das aufgrund zweier Hinweise gut möglich, sodass plötzlich nur noch 2000 Namen bleiben. Das ist trotzdem noch sehr viel, weshalb ich für einige der nachfolgenden Schritte die KI nutze, um ein paar Namen zu streichen (ja, sorry, macht man nicht).

Am Ende gehe ich dann aber noch mal mit der Hand an die Liste und stelle die letzten Ermittlungen selbst an. Dann ist der Täter geschnappt. Ich habe bei diesem Durchgang viel über das richtige Vorgehen bei dieser Art von Rätsel gelernt – und das hat wirklich Spaß gemacht! Ich glaube sogar, dass dieses Rätsel per Hand lösbar ist. Ohne technische Hilfe braucht es dafür viel Geduld. Und man sollte sich die Seiten, die nach den ersten Schritten übrig bleiben, ausdrucken.

Alle Infos zum Spiel „The Killer is not Emily“

Titel: The Killer is not Emily
Autor: Détective Yvonne
Herausgeber: ‎ AtelierDesMysteres
Seiten: 101
Sprache: Englisch
Anzahl der Namen: 20.000
Preis: 5,95 Euro bei Etsy


„Die Mörderin ist nicht Sarah“: Kann man so ein Buch per Hand lösen?

Wenn es eigentlich Spaß machen kann, war der erste Reinfall mit dem Buch bei Amazon vielleicht nur ein Ausreißer? Finden wir es raus! Noch einmal bestelle ich beim großen Online-Händler ein Buch, dieses Mal fällt die Wahl auf „Die Mörderin ist nicht Sarah“. Es wird ebenfalls per Print-on-Demand gedruckt und geliefert. Als Autor ist das „PaperMint Studio“ angegeben – doch auch hier kann ich nicht viel darüber herausfinden, wer sich hinter dem Namen verbirgt. Keine Website, keine Telefonnummer, keine Mailadresse.

Das Buch ist großformatiger, hat ein besseres Design als das erste und wirkt auf den ersten Blick sehr viel hochwertiger. Und das, obwohl es auf einem dünnen Papier gedruckt wurde, das mich an Rätselhefte erinnert. Das finde ich in dem Zusammenhang aber nicht schlecht, denn dadurch lässt es sich gut umblättern und man hat nicht sofort ein schlechtes Gewissen, wenn man darin herummalt.

Das Buch „Die Mörderin ist nicht Sarah“ liegt auf einem Tisch, das Cover ist zu sehen.
Warum heißen in diesen Büchern immer alle Beteiligten Sarah? Diese Frage kann man sich auch bei „Die Mörderin ist nicht Sarah“ stellen.

Die Story begnügt sich mit dem Klassiker: Ein Mord wurde begangen und die Hauptverdächtige heißt Sarah. Doch sie war es nicht, stattdessen versteckt sich der Name in diesem Buch. 42.000 sind es dieses Mal. Ausschließlich Vornamen wurden in das Buch gedruckt, unterteilt in Kapitel mit klangvollen Namen wie „Der lila Handschuh“, „Der verpasste Anruf“ und „Der vergiftete Cupcake“. Das hat zwar absolut gar nichts mit der Story zu tun und nichts davon wird erklärt. Aber: Es hat den entscheidenden Vorteil, dass man sich durch die Kapitelstruktur Stück für Stück vorarbeiten kann.

Insgesamt 14 Hinweise gibt es dieses Mal – und ich starte sofort in die Ermittlungen. Strategisch nehme ich mir zuerst die Hinweise vor, mit denen ich eine größere Anzahl Namen ausschließen kann und erkenne sofort, dass rund 88 Prozent der Namen (ja, ich habe nachgerechnet!) auf einen Schlag nicht mehr infrage kommen. Durch die übrigen Namen arbeite ich mich vom Anfang des Buches an durch und markiere mir Kapitel für Kapitel alle Namen, die zu einem bestimmten Hinweis passen. Dann streiche ich in einem Rutsch die, zu denen mehrere andere Hinweise nicht passen.

Nach etwa einer Stunde habe ich einen Namen vor mir. Früher als erwartet! Ich gleiche den Namen mit den übrigen, nicht genutzten Hinweisen ab und scheine einen Treffer zu haben. Sollte es das schon sein? Ich vergleiche mit der Lösung hinten im Buch. Und bingo! Der Täter ist innerhalb kurzer Zeit dingfest gemacht.

Das Buch „Die Mörderin ist nicht Sarah“ liegt auf einem Schreibtisch.
Die Unterteilung in Kapitel ist bei einem Krimispiel mit 42.000 Namen besonders praktisch. Auch in „Die Mörderin ist nicht Sarah“ kann man sich dadurch Stück für Stück vorarbeiten.

Und es hat erneut Spaß gemacht. Ganz glücklich macht es mich trotzdem nicht. Der Grund: Nun habe ich ein Buch vor mir liegen, in dem ich auf dem Weg zur Lösung insgesamt 195 Namen (ja, ich habe nachgezählt!) markiert habe. 195 von 42.000. Das Buch ist damit trotz allem nicht mehr benutzbar – und nach einer knappen Stunde Rätselei werfe ich die 13 Euro, die es gekostet hat, quasi in den Müll. Auch wenn mich diese Version des Krimi-Rätsels mit Tausenden Namen mehr überzeugt hat als die erste: Es fühlt sich leider ein bisschen verschwenderisch an. Aber was beschwere ich mich. Wie muss sich erst der arme Praktikant im Polizeirevier fühlen, der in monatelanger Arbeit eine Liste mit 42.000 Namen aufgestellt hat, wenn doch am Ende nur einer davon der richtige ist?

Alle Infos zum Buch „Die Mörderin ist nicht Sarah“

Titel: Die Mörderin ist nicht Sarah
Autor: PaperMint Studio
Herausgeber: ‎Independently published
Seiten: 145
Sprache: Deutsch
Anzahl der Namen: 42.000
Preis: 13,08 Euro bei Amazon


„Sarah Killed Me“: Ist ein Krimispiel mit 2.000 Namen besser?

Am Ende stelle ich mir dann noch eine Frage: Ist es besser, auf ein Rätsel ohne zu viele Namen zu setzen? Ich logge mich noch mal bei Etsy ein und gönne mir ein weiteres Spiel: „Sarah Killed Me“ dreht sich um eine Mörderin namens Sarah. Nur: Welche? In der PDF gibt es eine Namensliste mit knapp 2000 Namen, alle heißen Sarah und haben unterschiedliche Nachnamen. Das finde ich schonmal eine sehr schöne Idee, es ist das erste Spiel mit einem witzigen Konzept! 16 Hinweise sind es, die hier zum Ziel führen sollen. Eine richtige Story gibt es leider nicht, trotzdem mache ich mich mit meinen bisher gewonnenen Erkenntnissen ans Werk.

Ich drucke die Unterlagen im Copyshop für 2 Euro aus, dann breite ich sie vor mir aus und studiere die Hinweise. Schnell gelingt es, mit meiner Strategie die Anzahl der Namen um die Hälfte zu reduzieren und von den übrigen noch einmal die Hälfte wegzuschmeißen. Es bleiben also rund 500 Namen. Die Hinweise sind hier so konstruiert, dass ich mich nun aber wirklich Stück für Stück durcharbeiten muss.

Mit Filzstiften mache ich mich ans Werk und streiche Namen über Namen, nutze dabei für verschiedene Hinweise verschiedene Farben. Am Ende lande ich im Nirgendwo – und stelle fest, dass ich einen Hinweis falsch interpretiert habe. Ein schlichter Übersetzungsfehler. Dumm, aber kann passieren. Alles auf Anfang. Denn jetzt will ich es auch wissen! Plötzlich bemerke ich, dass etwas Merkwürdiges vor sich geht: Je weiter ich komme, je mehr Farben ich wegstreiche, desto spannender wird es. Desto schneller arbeite ich. Desto mehr habe ich das Gefühl, der Lösung des Geheimnisses näherzukommen.

Das ausgedruckte Spiel „Sarah Killed Me!“ liegt auf einem Tisch.
Das Spiel „Sarah Killed Me!“ ist druckerfreundlich gelayoutet und lässt sich schnell und günstig ausdrucken – zumindest in der Version mit 2.000 Namen.

Es dauert eine Weile, aber dann liegen mehrere bunt bemalte Seiten vor mir, Hunderte Namen sind in unterschiedlichen Farben durchgestrichen. Irgendwo in der Mitte ist einer weiß geblieben. Was für ein großartiger Augenblick! Ich bin so glücklich, dass ich euch die Lösung verrate: Es war Sarah! Welche, das sage ich natürlich nicht. Das Rätsel ist gelöst. Und es fühlt sich ziemlich befriedigend an.

Denn die Konstruktion des Spiels sorgt hier dafür, dass es herausfordernd ist, ohne zu langweilig zu werden – und dass es eine gute Balance bietet zwischen dem schnellen Entfernen vieler Namen am Anfang und der Tatsache, dass man am Ende trotzdem noch genug Arbeit hat, bis man beim Ergebnis angekommen ist. Zum Abschluss gibt’s hier außerdem eine echte Story. Zum guten Gefühl trägt aber ganz bestimmt auch der Preis bei: Mit 2,89 Euro (plus – in meinem Fall – 2 Euro im Copyshop) kann man das definitiv machen, wenn man sich mal eine Herausforderung dieser Art gönnen will.

Alle Infos zum Spiel „Sarah Killed Me“

Titel: Sarah Killed Me
Autor: Dee Harris
Herausgeber: ‎Denella Publishing
Seiten: 18 (plus 4 Lösung)
Sprache: Englisch
Anzahl der Namen: 1.960
Preis: 2,89 Euro bei Etsy


Fazit: Lohnen sich Krimirätsel mit Tausenden Namen?

Meine Antwort ist klar: Ja und Nein. Zu den Büchern mit 40.000 Namen, die verkauft werden, habe ich eher gemischte Gefühle. Sie sind eine Wundertüte. Ob man hier überhaupt zum Ziel kommt und Spaß hat, hängt davon ab, ob man mit Hinweisen auf einen Schlag eine große Menge Namen eliminieren kann. Und natürlich davon, wie sie gemacht sind! Am Ende bleibt bei meinen Tests aber ein bitter Beigeschmack: Es fühlt sich seltsam an, rund 15 Euro für ein Buch auszugeben, das man dann schon nach kurzer Zeit in den Müll schmeißen muss, weil es nicht mehr zu gebrauchen ist. Man kann es schließlich auch nicht weitergeben, wenn man schon darin herumgearbeitet und seine eigenen Spuren hinterlassen hat. Die kleineren Ausgaben zum Ausdrucken haben mir da schon eher gefallen.

Vor allem die Mini-Version mit rund 2000 Namen ist eine machbare, spannende und interessante Herausforderung. Das Rätsel ist überschaubar, ohne zur Lebensaufgabe zu werden, hat aber trotzdem seine Tücken und der Preis tut nicht weh. Wer so ein Spiel mal testen will, sollte also meiner Meinung nach eher auf Versionen setzen, die weniger Namen beinhalten, und sich nicht von den Rekord-Zahlen einlullen lassen.

Ich empfehle euch deshalb das Spiel „Sarah Killed Me“ von Etsy. Funfact: Die Entwicklerin hat es in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden herausgebracht, es ist auch eine Version mit 15.000 Namen erhältlich. Ich will übrigens auf gar keinen Fall ausschließen, dass es auch im Bereich der Rätsel mit 40.000 Namen noch echte Perlen gibt oder geben wird. Vielleicht überrascht uns alle ja das Original „The Killer Isn’t Alice“ von Iris Starling, das im August auf Deutsch erscheint.

Mehrere Seiten des Spiels „Sarah Killed Me!“ liegen auf einem Tisch, etliche Namen sind farbig markiert.
Trick 17 für Profi-Ermittler: Unterschiedliche Farben für unterschiedliche Hinweise nutzen. So kann man am Ende zurückverfolgen, warum man welchen Namen ausgeschlossen hat.

Was sollten Krimispiele mit Tausenden Namen besser machen?

Wenn ich mir von den Entwicklern etwas wünschen dürfte, wären das mehr Story und mehr Logik. Man könnte auch diese Kriminalfälle in eine halbwegs vernünftige Geschichte einbetten, vielleicht sogar die Hinweise in kleinen Storys verpacken – und vor allem dafür sorgen, dass alles etwas logischer daherkommt. Das ist mir ganz besonders unangenehm aufgefallen: Wieso kommt einfach immer irgendwoher eine Liste mit Hinweisen à la „Der Name endet auf einen Vokal“? Das hat leider in keinem der vier getesteten Spiele wirklich Sinn ergeben.

Verwenden wir als Beispiel nochmal unser erstes Test-Werk, das Buch „Tochter Anna ist nicht die Mörderin“, das ich bei Amazon gekauft habe. Warum schickt Anna ihrem Bruder aus dem Knast eine Liste mit über 40.000 Namen und dazu 17 Hinweise, anstatt einfach zu sagen, wer den Mord tatsächlich begangen hat? Es sollte nicht zu schwer sein, die Geschichten an den entsprechenden Stellen noch aufzupolieren. Schon gar nicht für eine Schriftstellerin wie Martina Fisher, oder?

Habt ihr schonmal so ein Krimispiel mit 40.000 Namen (oder weniger) ausprobiert? Hat es euch gefallen und habt ihr vielleicht einen heißen Tipp? Schickt mir eure Meinung per Mail an hallo@puzzle-hamster.de oder meldet euch über das Kontaktformular. Ich freue mich sehr auf den Austausch!

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